08 September 2008

Viel Neues...

... deswegen auch ein neuer Versuch mit dem Blog. Im letzten halben Jahr ist so viel passiert, und es gibt so viele Leute, die nur einen kleinen Teil mitbekommen haben. Ich habe mir fest vorgenommen, zwischen den Umzugskartons und den zwei kleinen Kindern diesen Blog mit unserer Geschichte des letzten halben Jahres zu füttern. Kann bisschen dauern... und verzeiht mir, wenn mal wieder eine längere Pause entsteht.

Aber der Reihe nach.

schwanger


Irgendwann im Oktober oder November letzten Jahres hatte ich so das Gefühl, es ist jetzt wieder Platz für ein weiteres Familienmitglied. Mein geliebter Volker war da natürlich Feuer und Flamme... und schwupps war ich schwanger...

die Wohnung wird zu klein


Heute ist es mir ein echtes Rätsel, wie wir den ganzen Krempel auf 85m² untergebracht haben. Ich weiß es einfach nicht.
Damals ist uns nur klar gewesen: mit 2 Kindern geht das hier gar nicht. Vor allem ich war sehr fürs Umziehen, weil mich das Sachen-Rauf-und-Runter-Tragen in den 2. Stock echt nervte und ich mir beim besten willen nicht vorstellen konnte, zwei Kinder plus Einkauf zu schleppen...
Also machten wir uns auf Wohnungssuche. Was uns sehr geholfen hat, und sehr zu empfehlen ist: wir haben eine Anzeige in die Zeitung gesetzt. Darauf hin haben sich einige Leute bei uns gemeldet. Wir haben so auch recht "lustige" Begegnungen gehabt. Wie z.B. mit dem Ehepaar, was sein Reihenhaus vermieten wollte. Dieses etwas ältere RMH hatte ungefähr 6 Zimmer auf 3 Etagen und eine vielleicht 60cm schmale Treppe zwischen diesen Etagen. Allein die Vorstellung, mit Baby auf dem Arm da rauf und runter zu stolpern... :-) Vom Preis möchte ich nicht reden...

Das war ungefähr im Februar/März diesen Jahres. Eines Tages rief uns ein nettes Ehepaar an, sie hätten da eine Doppelhaushälfte, die Mieter würden bald ausziehen. Sind wir also hingefahren und haben es uns angeschaut. Unser erster Eindruck war: hier passt ja so ziemlich alles: großer Garten, Garage, Keller (für Volker seeehr wichtig); im EG viel Licht mit großen Fenstern, ein großes Wohn-Ess-Küche-Zimmer, was ich sehr schön finde, weil man die Kinder immer im Blick hat und trotzdem Platz für die Erwachsenen ist; tja, und auch sonst schien alles perfekt.

Wir können uns nie nicht entscheiden


Nur die damaligen Mieter waren grad am Haus bauen. Sie wollten zwar Ende Mai ausziehen, aber sie hatten zu Ende Juni gekündigt. Garantien gab es keine.

Zudem wusste Volker grad nicht, ob er nun von einem Standort seiner Firma zum anderen wechseln wollte oder nicht.
So konnten auch wir nichts versprechen. Netterweise wollten die Vermieter auf unsere Entscheidung warten, bevor sie nach anderen Mietern suchen wollten. Ich weiß nicht, das war uns sehr sympathisch und hat uns viel Druck genommen.
Wir haben uns dann natürlich die Gegend um den zweiten Firmenstandort angeschaut und überlegt, ob wir uns vorstellen könnten, da hinzuziehen. Für Volker war es aber vor allem eine Frage der Arbeitszeiten. Er meinte, er müsste dann viel mehr arbeiten und hätte viel weniger Zeit für die Familie. (Fragt mich mal, wie es jetzt ist!)

Somit fiel dann nach den Osterferien und unserem schönen Urlaub in Pui die Entscheidung: Volker bleibt am alten Standort, und wir ziehen in das Haus!

17 Oktober 2006

Gedichte und leben und sterben

Nächste Woche fängt auch für mich endlich wieder die Uni an. Das hat mich doch kürzlich dazu gebracht, endlich mal meinen Schreibtisch aufzuräumen. Dabei bin ich auf ein Gedicht gestoßen:
long lasting love in ewiger Treue wohin führt das wovon träumst du poesie wo bist du hinter bäumen versteckt in wiesenkraut lilane sternchen auf dem gras am sternenhimmel verdeckt von wolken durchdringend der schein hell am Morgenrot was willst du mehr herz was suchst du den tod und das siechtum rechts und links lass liegen lebe lebe lebe der himmel ist weit der tag lang lass die sorgen ruhe mein herz ruhe vergiss vergiss vergiss long lasting love
Beim Blättern bin ich auf noch ein anderes Gedicht gestoßen:
Diesseits Im diesseits unberührt angehaucht eingeschränkt betrachtend ohne mühe vergeblich suchend nicht wissend ahnend hoffend angerührt entfacht un vorstellbar bereit weiter ein schritt ins dasein
Es muss auch nicht jeder etwas damit anfangen können. Selbst ich kann nicht mehr unbedingt nachvollziehen, woher die Worte kamen... Das erste Gedicht entstand aber in einer Zeit, in der zwei Menschen gestorben sind und in der mich mein Studium durch den Patho-Kurs auch ziemlich durcheinander gebracht hat, gerade was den Glauben angeht. Die Tatsache, dass es so viel persönliches Leid gibt auf dieser Welt ist dann umso schockierender, wenn man mit diesen lebenszeichen konfrontiert wird. Denn auch das gehört zum Leben. Gestern haben eine Freundin und ich uns ausgetauscht über das Leben, das wir als Mediziner sehen. Wir (und meine Freundin weit mehr als ich, sie arbeitet bereits) sehen die tiefsten Abgründe, die stärksten Emotionen, das, was Menschen in ihren Grundfesten erschüttert. Und den Anfang und das Ende des Lebens. Das leben ist doch so anders als wir oft denken. Es besteht aus so viel mehr Tiefe soviel mehr liebe und weite. Leben und sterben: das Kloster... ist wohl vorerst gestorben. Die Leute, die sich das unter Umständen vorstellen konnten, sind einer nach dem anderen weggebrochen. Das heißt nicht, dass wir den Gedanken komplett beerdigen. Aber... vielleicht ist es der falsche Ort oder die falsche Zeit. Oder wir sind noch nicht genug vorbereitet. Oder oder oder.... Jedenfalls gibt es in unserem Leben, in unserer Ehe genug Entwicklungspotential für einen "klostermäßigen Lebensstil", dass wir auch so erst mal beschäftigt sind. Das geht mit regelmäßigen Zeiten für Jesus los und hört noch lange nicht beim gemeinsamen Abendessen auf... Gott arbeitet an uns und verändert uns. Ich selbst habe immer mehr eine tiefe Sehnsucht nach echtem Glauben, nach... ich kann es so schlecht greifen. Nach Ganzheitlichkeit. Nicht nur am Sonntag in den GoDi gehen, nicht nur ab und zu Bibel lesen, sondern unser Leben - auch das physische - von Gott durchdringen lassen, von seinem Rhythmus bestimmen lassen. Gottes Atem einatmen. Seinem Herzschlag nachspüren und so schwingen wie Er. Klingt abstrakt, ja? Ist es aber eben gar nicht. Es ist nicht nur eine geistliche Handlung, ein innerlicher Prozess, sondern auch ein äußerer, sichtbarer Prozess. Leib, Seele und Geist gehören untrennbar zusammen! Das ist nicht so ganz einfach mit einem Kleinkind. Aber es wird besser. :) Soviel erstmal für heute. Ich könnt noch weiterschreiben, aber ich möcht noch Obstmus einkochen.

30 September 2006

long time no write...

Meine liebe Schwester hat mich daran erinnert, mal wieder was zu bloggen! Es ist auch schon eine Ewigkeit her, dass ich hier geschrieben habe. Das liegt daran, dass ich den ganzen August und einen guten Teil des Septembers bei den Schwiegereltern war und dort ein Praktikum für mein Studium gemacht habe. Dabei ist alles andere zu kurz gekommen.

Ich habe mich auch recht wenig mit dem
"klostergedanken"
beschäftigt in letzter Zeit. Ein Teil der Leute, die Interesse hatten, sind nun vor kurzem umgezogen. Ein anderer Teil ist für das nächste halbe Jahr weg. Ich bin ein bisschen desillusioniert. Wahrscheinlich wäre es am besten, wir würden eine Zeit lang in einer Gemeinschaft mitleben. Vielleicht können wir uns dann auch besser vorstellen, wie das ist. Was geht. Was wichtig ist. -- Markus, der uns inspiriert hat, ist weitergegangen. Mehr kann man hier nachlesen. Ich finde das total klasse, was da passiert. Ich hab den Eindruck, da zieht an mir was vorbei, ich fühl mich wie "ausgesperrt", wie ein Zuschauer, der leider nicht mit dabei ist. Dabei ist mir schon ganz klar, dass es an mir/uns liegt, dass wir hier sind. Wir tun nichts und warten darauf, dass Gott alles tut. Wie blöde!

Ida
ist nun schon fast ein Jahr alt und braucht nicht mehr lange, bis sie laufen kann. Sie ist eine total süße Maus. Ich bin sehr begeistert von ihr. Es ist erstaunlich, wie viel sie schon versteht von dem, was ich zu ihr sage. Sie redet auch sehr viel in ihrer ureigenen Sprache, was schade ist, weil ich kein Ida-isch kann. Sie kann schon mama und baba sagen, sie sagt "ba" für ball und "buu" für Buch! Das ist schon ganz schön viel für ein knappes Jahr. Ich versuche auch, ihr Handzeichen beizubringen. So langsam begreift sie es. Aber sie ist eben vor allem mit dem Laufenlernen beschäftigt, sie konzentriert sich lieber ganz auf eine Sache...
Volker und ich
wünschen uns, dass mein Studium baaald zu Ende ist. In gewisser Weise bremst es uns auch aus. Wir möchten nicht für immer in der Gegend bleiben. Wenn ich fertig bin, sind wir in unserer Ortwahl doch deutlich freier.

Ich bin sehr damit beschäftigt, Idas Betreuung für das neue Semester / und generell auf die Beine zu stellen. Nächste Woche sind wir wieder bei der Tagesmutter. Und ich werde mir ein paar Elterninitiativen an der Uni ansehen. Uns gefällt der Gedanke, mitarbeiten zu können und dadurch auch größeren Einfluss zu haben. Mir gefällt der Gedanke, mich mit Leuten anzufreunden, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich. Und langfristig ist es für Ida sehr wichtig, dass sie unter Kindern ist. Hier im Haus gibt es ja keine Kinder. In der näheren Umgebung schon, aber es fällt mir nicht so leicht, Kontakte zu knüpfen. Gern wäre ich zu einer Spielgruppe gegangen, aber mit meinem unregelmäßigen Stundenplan kann ich das vergessen. Ich habe leider nicht jeden Freitag von 9:00h - 11:00h frei.

Ich merke, ich brauch noch viel Heilung und Hilfe. Vieles in mir ist verdreht, das merke ich nun viel mehr - durch Ida. Kinder sind Spiegel...




14 Juni 2006

Nach dem Vortrag...


... ist immer noch nicht viel geschehen... - Es war gut am Sonntag. Es waren nur ein paar Leute da, von denen ein guter Teil schon viel von uns gehört hatte. Die meisten, die schon irgendwie interessiert sind, möchten jedoch keine oder möglichst wenig Verbindlichkeit. Das heißt: nahe beieinander wohnen - ja, aber kein Extra-Treffen, das verbindlich ist. Ich kann´s gut verstehen. Aber ich glaub, dass Gott uns herausfordert, einen Schritt nach vorne zu gehen. Mich kostet es auch was. Aber ich habe keine Lust auf halbe Sachen.
Ich meine, die Frage ist doch: Wovon wird unser Leben bestimmt? Nicht nur im Kopf, von der Theorie her. Theoretisch wird jeder Christ sagen: Gott bestimmt mein Leben. Wenn ich eine Entscheidung zu treffen habe, frage ich IHN, usw.
Aber praktisch bestimmt oft die Umwelt unser Leben: die Uni fängt um 9:00h an, auf Arbeit muss ich von-bis sein. Darum herum drapieren wir fein säuberlich unsere Beziehung zu Jesus und alle anderen Beziehungen. Manche haben dann noch so feste Termine wie bestimmte Fernsehserien oder ...

Eine enge, gute Gemeinschaft hat Schlagkraft!

Hmm, letztlich wird Gott schon die Leutchen zusammenbringen, die zusammengehören. Wird einen Weg bahnen für das, was von Ihm ist. - Eine Zuhörerin fragte mich am Sonntag, woher wir wüssten, dass das von Gott ist. Schwierige Frage. Also jedenfalls haben wir keine Stimme aus dem Off gehört, die uns gesagt hätte: tut mal das und das. Es ist eher so, dass uns der Gedanke einer "christlichen Gemeinschaft" nicht loslässt, seit einem dreiviertel Jahr nicht. Da man ein Schiff, das nicht fährt, auch nicht steuern kann, haben wir uns eben in Bewegung gesetzt. Jetzt erwarten wir, dass uns der Große Kapitän an sein Ziel bringt. - Was für ein schönes Bild! Gott, der dreieinige Gott, ist der Große Kapitän! Das erinnert mich spontan an die Irischen Mönche. Da gab es so ein Gelübde, da sind einige von ihnen (z.B. Brendan the navigator) in ein Boot gestiegen und haben die Paddel über Bord geworfen und darauf vertraut, dass Gott sie dahin bringt, wo Er sie haben möchte. - Mal sehen, wo es hingeht.

Das 24-Stunden-Gebet war auch sehr gut! Die Liste war schließlich so gut wie voll, und den Rest haben wir improvisiert. Ich habe nur absolut begeistertes feedback bekommen. Renate, die Frau vom Pastor, war fast ein bisschen überrascht, dass es so gut ankam, und ein bisschen traurig, weil ihr selbst so eine positive Bet-Aktion bis jetzt nicht so recht gelingen wollte. (Da kommen dann nur die eingefleischten Beter...) Der Raum war nicht soo besonders hergerichtet. Das Bild oben ist aus dem Gebetsraum.

In mir bewirkt das Gebet einen Drang zum Handeln. Ich möchte hineinwirken in das Leben der Menschen um mich herum. - Gleichzeitig merke ich, dass ich mich nicht traue: die Frauen auf dem Spielplatz anzusprechen, weil ich weiß, sie wohnen in Sozialwohnungen, sie rauchen, sie sprechen eine andere Muttersprache. Was kann ich schon tun? - Eine Freundin erzählte mir, dass bei ihnen im Haus eine junge Mutter mit zwei Kindern wohnt. Sie raucht Kette und ist mit den Kids völlig überfordert. Meine Freundin hört oft lautes Geschrei und Weinen. Und sie hört die Kinder husten. Das macht sie ziemlich fertig, weil sie nicht weiß, was sie tun kann. Vielleicht fehlt ihr wie mir der Mut. Wir leben in unserer heilen Christenwelt und die Chancen, da rauszukommen, werden immer kleiner, je länger wir darin leben...
Seit dem 24-Stunden-Gebet steht für mich fest: in der nächsten Wohnung muss ein Gebetsraum umgesetzt werden! Oder wenigstens eine extra abgeteilte Ecke.

Vielleicht sollte ich mal für Mut beten?

01 Juni 2006

Etikettenschwindel

Seit wir Ida haben, haben wir auch Unmengen an Stoff-Spielzeug. Als Erstes bekam sie einen Stoff-Stern geschenkt, den wir über ihre Wiege gehängt haben. Mit 3, 4 Monaten konnte sie ihn dann greifen und sich die kegelförmigen Sternzacken in den Mund stecken. Und dran saugen. Irgendwann war ihre Feinmotorik etwas ausgefeilter und sie entdeckte das Etikett mit der Waschanleitung. Fortan interessierten sie die Zacken gar nicht mehr, dafür lutschte sie immer am Etikett.

Unser lieber Hauskreis hat Ida einen Schmusebär geschenkt, der hat ganz tolle Schlenker-Arme und -Beine. Sie mag ihren "Tikkeri". Und seit sie das Wasch-Etikett entdeckt hat, mag sie ihn noch viel lieber.

Vor einiger Zeit kaufte ich Ida ein Stoffbuch. Nunja, sie ist noch zu klein fürs Bilder-Anschauen. Aber das Etikett...

Inzwischen weiß Ida, dass an allen Stoffsachen Etiketten dran sind. Du glaubst mir nicht? Dann will ich Dir folgende Geschichte erzählen:

Vor kurzem habe ich für die Kleine einen Stoffball gekauft. Irgendwie dachte ich, er würde vielleicht etwas besser rollen, wenn ich das Etikett abschneide.
Als Ida dann den neuen Ball in der Hand hatte, untersuchte sie ihn gründlich. Es war zwar eindeutig noch das kleine Logo-Etikett dran, aber das Etikett mit der Waschanleitung fehlte. Ich hatte es ja abgeschnitten. Ida sah mich verwundert an. Sie betrachtete den Ball, dann mit fragenden Augen mich:

Mamma, da stimmt doch was nicht!
Ein paar Tage später hatte sie eine Decke in Bearbeitung. Zielstrebig suchte sie den Rand ab. Wo war das Etikett? Als Volker es ihr zeigte, war sie ganz begeistert: Papa hatte also begriffen, worum es ihr ging! In Idas Welt hat alles seine Ordnung - und sein Etikett!

Also - glaubst Du mir jetzt, dass Ida weiß, dass alles aus Stoff ein Etikett hat? -

29 Mai 2006

24-1 und Gemeinsam Leben

Am 9. Juni geht die Fußball-WM los. Nicht dass mich Fußball an sich besonders interessieren würde. Aber dieses Jahr findet die WM in Deutschland statt. Quasi vor unserer Haustüre. – Vor zwei Wochen war ich bei einem Gebetstreffen der Gemeinde. Dort wurde für die WM und für „kickoff2006“ gebetet. Es sollen rund um den Fußball evangelistische Aktionen stattfinden, auch bei uns in der Gemeinde. In den Tagen danach reifte in mir der Gedanke, zum Start der WM ein 24-Stunden-Gebet in der Gemeinde anzustoßen. Gestern haben wir das im GoDi angesagt. Leider ist die Liste noch ziemlich leer. Gut, es ist ja nun auch relativ kurzfristig. Aber ich hatte schon ein bisschen auf mehr Resonanz gehofft… Am 11. Juni werden wir unsere „Info-Veranstaltung Gemeinsames Leben“ haben. Dafür haben wir gestern auch Werbung gemacht – und es war fast noch frustrierender. Einige Leute reagierten sehr negativ, so nach dem Motto: „Nein, auf gar keinen Fall!“ Das finde ich sehr schade! Diese Leute haben uns schon von vornherein die Chance genommen, ihnen genauer zu erklären, worum es eigentlich geht. Und sie haben sich die Chance genommen, sich überhaupt mal zu informieren. Ich glaube immer noch, der Satz:
„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“
gilt für alle Menschen und bezieht sich nicht nur auf´s Verheiratetsein. Im Gegenteil, ich denke, gerade alleinstehende Menschen können sehr viel für ihr Leben gewinnen, wenn sie in Gemeinschaft mit anderen leben… Naja. Vielleicht kommen dann doch einige Leute spontan dazu. Dafür war die Zeit mit unseren KONFIS-Teenies echt gut! Thema war Heiliger Geist, und seit ich mehr die Unterlagen von Alpha für Jugendliche verwende, bin ich auch zufriedener. Zuvor hatte ich das Gefühl, ich vermittle (Bibel-)Wissen, und es kommt irgendwie gar nicht rüber, was das mit dem persönlichen Leben der Teenies zu tun hat. Gestern dagegen hatte ich das Gefühl, es war für sie alle interessant und sie haben was für sich (zum Nachdenken) mitgenommen. Ich habe auch eine Bibelstelle aus der Volxbibel vorgelesen, da sie in der „normalen“ Übersetzung nicht so gut verständlich war.
„Denn durch Gottes Geist in uns sind wir uns hundertprozentig sicher, dass wir Teil seiner Familie sind.“
war irgendwie einleuchtender als: „Der Geist selbst aber bezeugt mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“. Lag aber wahrscheinlich auch daran, dass wir uns alle nicht mehr so gut konzentrieren konnten. Da war so ein Text aus der Volxbibel ein Highlight, für das es sich noch mal lohnte, zuzuhören.. Nun denn. Ich wünsch mir, dass sich noch ganz viele Leute anstecken lassen vom Gebets-Fieber und dass Gott das Ding mit der Gemeinschaft zum Laufen bringt und die richtigen Leute zusammenstellt.

16 Mai 2006

Wer sucht, der findet

Ich habe kürzlich ein paar wenige Bücher aussortiert, unsere Bücherregale quillen über, und spätestens, wenn Ida krabbeln kann, geht´s ihnen an den Kragen...
Dabei ist mir ein Buch in Händen gefallen, das wir zur Hochzeit geschenkt bekommen haben. Es ist mir bis heute ein großes Rätsel, welche seltsamen Gedankengänge und -zusammenhänge den Schenkenden dazu bewegt haben, uns einen
Pilzatlas
zu schenken. Keine Ahnung. Weder ich noch Volker sind Pilzesammler. Gut, als Kind hab ich das ein paar mal mit meinem Vater gemacht, aber seither? Champignons gibt´s im Laden, Steinpilze auch (aber teuer!). Na gut. Jesus sagt:
Wer suchet, der findet
Ich verstehe das Geschenk als Hinweis darauf, nicht aufzugeben, zu suchen...

Am Samstag haben wir die Tiefgarage der Gemeinde in eine "Fahrradwerkstatt" verwandelt. Die Männer haben wirklich alles gegeben und viele Stunden lang an Fahrrädern geschraubt. Obwohl wir anderen "nur" Kuchen verteilt und mit Leuten geredet haben, waren wir ebenfalls ziemlich k.o. am Abend. Das muss am anstrengenden Auf- und Abbau sowie an Andreas´Geburtstagsparty am Freitag gelegen haben.
Es war eine sehr gute, irgendwie auch innerlich - geistlich - inspirierende Aktion. Bei über 60 Fahrrädern kommt man auch mit einer Menge Leuten in Kontakt. Hat uns alle einerseits geerdet: ganz normale Menschen, die teilweise in ziemlich chaotischen Verhältnissen leben, haben uns von sich erzählt. Andererseits echt Flügel verliehen: Viele Leute sind mit müdem, deprimiertem Gesicht gekommen und mit einem Lächeln im Gesicht gegangen.

Wir hatten auch einen kleinen Gebetsraum, für den ich verantwortlich war. Leider habe ich meine Verantwortung zu wenig wahrgenommen und v.a. zu wenig im Vorfeld organisiert.
Dennoch war für mich die Zeit im Gebet total verändernd & bereichernd. Es ist für mich sonst irgendwie sehr, sehr schwierig, abzuschalten und Zeit mit Gott zu haben - es kreist doch alles um Ida oder um den Haushalt. Ida hat aber netterweise mal eine Stunde geschlafen, und in dem Gebetsraum braucht man sich dann auch keine Gedanken um den Haushalt machen, da kann man sowieso grad nix dran ändern.

Gott hat mir in der Zeit neue Kraft gegeben und ein neues Beter-Herz für die vielen Nöte der Menschen, die mir so begegnen.

An dem Abend habe ich noch in einer (alten) Zeitung gelesen, dass die offizielle chinesische Staatskirche zwei Bischöfe eingesetzt hat, die von Rom gleich exkommuniziert wurden. Schließlich lässt die katholische Kirche keine "weltlichen" Ernennungen von Würdenträgern (mehr) zu. Es gibt auch eine katholische Untergrundkirche in China, die, wie auch die charismatische Untergrundkirche, unter Repressalien leidet. Was macht das mit uns, zu wissen, dass andere Christen tatsächlich leiden für ihren Glauben? Bei mir hat es mein Beter-Herz erreicht.

Ich wünsche mir viel mehr Beter, Menschen, deren Herzen angerührt sind und deswegen Gott suchen und bestürmen. Denn sie werden finden.

25 April 2006

Lääängst zurück zu hause

Bin ja schon lange wieder zu hause, bin nur nicht zum Schreiben gekommen.
Greifswald war sehr inspirierend. Ich habe mit Reni vom OJC geredet, zum Thema "Kloster". Das war sehr gut. Im Prinzip hat sie mich in den Punkten bestätigt, die mir vorher schon klar waren. Sie hat aber auch den Vorschlag gemacht, dass wir doch erst mal für uns intensiver Gemeinschaft leben - also vermehrt Leute einladen, offenes Haus leben.

Dann hatten sie in der WG einen absolut tollen Bildband liegen:
"24 Stunden im Leben der katholischen Kirche".
Ich fand so faszinierend, wie viele Facetten diese große Kirche hat. Vieles mag verkrustet und zum reinen "Gesetz" geworden sein, aber ich bin mir sicher, dass es auch viel echte Spiritualität innerhalb der katholischen Kirche gibt. Gerade in den Klöstern leben, denke ich, Leute, die es echt ernst meinen mit Gott. In dem Bildband waren Fotos aus einem Wüstenkloster, von der Probe einer (amerikanischen) Trauung und von einem chinesischen Pfarrer, der mit fünf Leuten und einem improvisierten Altar Gottesdienst feiert. Und natürlich viele, viele andere sehr schöne Fotos...

Ein paar Tage später haben wir im Hauskreis über "Gemeinsames Leben" gesprochen. Ich weiß, vieles ist bruchstückhaft, aber ich kann mir auch immer noch nicht so ganz vorstellen, wie das konkret aussehen könnte. Wir müssen einfach gemeinsam etwas entwickeln, keine Ahnung, was... als Anhaltspunkt könnten vielleicht andere, schon existierende Gemeinschaften dienen: http://www.newmonasticism.org/

... ich muss jetzt schlafen gehen bzw. nach Ida gucken....

17 April 2006

Geschepper und Greifswald

Heute morgen wurden wir von einem sehr seltsamen, Klapperschlangen ähnlichem Geräusch geweckt... Als Volker zu Ida guckte, hatte sie ihre kuh in der Hand und ratterte damit über die Gitterstäbe ihres Bettchens. Die kuh ist eine Stoffkuh-Spieluhr mit einem Plastikring, an dem man die Spieluhr aufziehen kann. Das war es auch, was so ratterte... :) -

Ansonsten war der Tag durchdrungen von meiner Abfahrt nach HGW morgen: Ich war schon seit Jahren nicht mehr da und bin sehr gespannt, was sich alles verändert hat und ob ich ein paar alte Bekannte treffen werde. Zudem werde ich dort bei den Leuten der OJC wohnen. Vielleicht kann ich meine Gedanken zum kloster dort in bereits konkreter Realität miterleben.

Ich freue mich schon sehr. Viele schöne Erinnerungen werden wach, besonders an die Ostsee und die Natur da!

Damals habe ich ein Gedicht geschrieben, allerdings war das auf Zingst, da ist es noch beschaulicher (viiiel beschaulicher) als in HGW:

9.4.99 - Zingst

Weite Weite Weite
Wellen und Meer
das
Wasser Sand Strand
ewige Weiße weit bis
das Auge reicht
leichte Halme
und Dünen
Wege ein wenig Wald
stemmt sich gegen den
Wind
Windhauch lufterfüllende
Vögel Büsche und Sträucher
dunkelgrün
Sand in Wogen bewachsene Dünen
Weite Ufer Buchten Brecher
Schaum
krone Sümpfe Morast fast schwarzes
Wasser die Bäume spiegelnd
Nester
Stille Quaken Zwitschern
Meerduft salziger
frischer ewiger
Meerduft
salziger frischer ewiger Meerduft
Weite Weite Weite

16 April 2006

Kinder, Kinder...

Ich muss nun doch mal meine Gedanken zum Thema Kinderkriegen niederschreiben. Wir waren letzes Wochenende auf einer Hochzeit mit gaanz vielen jungen Leuten (die Brautleute sind auch grade 20 Jahre jung!). Einige waren wohl so um die 25, die allermeisten "mit Anhang", also mit Freund oder Freundin, und ein paar junge Ehepaare. Dann waren da noch wir und ein Ehepaar, die werden wohl so in den 30ern oder 40ern gewesen sein. Wir und dieses Ehepaar waren die Einzigen mit Kindern. Ich kam mir wirklich vor wie ein Alien. Naja, zum Glück hat Klein-Ida recht früh mehr oder weniger geschlafen, sonst wär sie wohl von allen wie ein Marsmännchen betrachtet worden. Na gut, ich kann schon verstehen, dass die ganzen "jungen Leut" noch keine Kinder haben. Aber so ganz kann ich´s nicht verstehen. Heute waren wir bei Freunden zum Essen eingeladen. Es war eine Runde von mehreren Ehepaaren sowie zwei, drei Single-Frauen, Durchschnittsalter : ich würde mal sagen 35 Jahre. Außer den Gastgebern waren wir wieder die Einzigen mit Kind. (Ich bin 27, Volker 37..) Diesmal war Ida wach, und anfangs saßen alle um die Kleine, als hätten sie sowas Außergewöhnliches schon lange nicht mehr gesehen. Die Gespräche kreisten bestimmt eine halbe Stunde um Ida/uns/Kinder. Mir wars schon fast peinlich. Da hab ich die Welt echt nicht mehr verstanden: Das waren alles Leute mit geordneten Verhältnissen. Wenn solche Menschen keine Kinder bekommen, wer denn dann? Ich meine, es gibt immer gute Gründe fürs Kinder kriegen, und gute Gründe dagegen, egal in welcher Lebensphase man steht. Wir haben auch lange hinund her überlegt. Aber mit dem Verstand kommt man bei dieser Frage eh nicht weiter: Kinder sind immer ein Wagnis, aber eben immer auch etwas ganz besonderes und bereicherndes. Es gibt einfach nichts Vergleichbares auf dieser Welt! Vielleicht tue ich manchen unrecht, vielleicht klappt es halt bei manchen nicht. Aber ich denke, das ist ein kleiner Teil der Leute. Bzw. ein immer größer werdender Teil, weil die Paare so lang damit warten, bis es echt langsam schwierig wird. Glaubt ja keiner, dass es schwieriger wird, weil man liest und hört ja immer wieder von Frauen, die mit 40 ihr erstes Kind kriegen. Ist aber so, es wird nun mal nicht einfacher. Na gut, jetzt hab ich mir die Eindrücke des heutigen Tages von der Seele geschrieben. Am "Kloster" arbeiten wir weiter. Demnächst steht ein Gesprächstermin mit unserem Pastor an. Wir sind sehr gespannt, was er zu all unseren Gedanken sagt! In unserer Gemeinde gibt es viele Dienste, aber wenig Gemeinschaft, zumindest empfinden viele das so. Mich beschäftigt ein bisschen die Frage, wie das kloster in diese Gemeinde passt, reinpasst, dazupasst. Eigentlich ist es ja eine ganz andere Form von Gemeinde, von der wir da reden. Einer monastischen statt ekklesiastischen Form. Bei ersteren handelt es sich um eine Lebensgemeinschaft, die jeden Tag christliche Gemeinschaft lebt. Die ekklesiastische Form ist eine Versammlungsgemeinde: sie kommt einmal in der Woche zu einer "Versammlung", also dem Gottesdienst, zusammen. Hier kann der Einzelne weitgehend so bleiben, wie er ist. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an das Lied zu ProChrist vor ein paar Jahren:
"Zu Gott kann ich so kommen, wie ich bin... bei Gott muss ich nicht bleiben, wie ich bin."
Ich glaube, dass Gott gerade den Anderen, den Mitchristen gebraucht, um mich zu verändern. (Und auch den Ehemann, die Familie, ...) Wenn ich mir von niemanden in´s Leben sprechen lasse, wenn ich auf meiner Insel lebe, die ich eben nur Sonntags zum Gottesdienst verlasse (und meinetwegen auch mittwochs für den Hauskreis), dann werd´ich wahrscheinlich weitgehend so bleiben, wie ich bin. Die Frage ist: wie können wir in einer bestehenden (ekklesiastischen) Gemeinde mehr Inseln zusammen legen? Wie schaffen wir Raum für Interaktion, Beichte, lebensveränderndes Reden, Transparenz, mehr Liebe und Hingabe untereinander und an Gott? Fakt ist: unsere Lebens-Inseln liegen meist sehr weit voneinander entfernt: sei es räumlich, zeitlich, was unsere Interessen betrifft (oft einziges gemeinsames Interesse: die Gemeinde... Gefahr: geistliches christliches Ghetto...), beruflich etc. Riesige Mengen Meer trennen uns, und die Boote, mit denen wir zwischen den Inseln hin- und her schippern, sind nicht besonders seetüchtig. Meist bleibt auch nicht viel Zeit, die unbekannten Inseln zu erkunden! Dazu gibt es immer ein paar Leute, die stundenlang über ihre eigene Insel reden können, ohne uns die Blumen und Dornen wirklich zu zeigen. Vielleicht sind die Blumen viel schöner und das Dornengestrüpp gar nicht so undurchdringlich... Während ich schreibe, merke ich, wie in mir eine große Liebe für all die Menschen anrollt, wie eine große Welle. In meinem Leben ist vieles auch nicht einfach. Wir streiten uns öfters. Auch ich trage Wunden mit mir herum. Nichts ist wirklich perfekt. Wir zoffen uns z.B. regelmäßig, weil Volker unbedingt ganz überpünktlich sein will, und ich mir denke: es ist nicht soo dramatisch, wenn wir nicht schon eine halbe Stunde früher da sind. Er möchte aber gerne "Zeit für die Leute haben". Oberflächlich mag es um Unpünktlichkeit gehen, tief drinnen geht es um ganz grundlegende Bedürfnisse...: Volker liebt es, unter Menschen zu sein. Er bekommt Entzugserscheinungen, wenn er zwei Tage nicht unter Leuten war. Ich liebe es, mich morgens nicht hetzen zu müssen, in Ruhe zu frühstücken, und den Tag langsam angehen zu lassen. Ich mag keinen "Kaltstart". - Wir arbeiten dran. Schön, das alles aufzuschreiben, so kriege ich meine Gedanken klarer. So merke ich, was ich eigentlich will... Zum Kloster habe ich noch viele, viele weitere Gedanken. Ich komme kaum dazu, sie geordnet -oder ungeordnet - niederzuschreiben. Seit kurzem lese ich "Nachfolge" von Dietrich Bonhoeffer. Dabei formen sich noch viel mehr Ideen zu angrenzenden Themen... ich werde es für heute dabei belassen. Ich wünsche mir viel mehr Liebe und Hingabe in meinem Herzen für die Menschen um mich herum - und mehr ehrliche Inselerkundungen.