03 Februar 2009

Heimkehrer und Kinderland

Möchte ja gerne mal wissen, wer hier ab und zu vorbeischaut... zumindest von zweien weiß ich es. Diese beiden mussten sich fast einen Monat gedulden.

Es ist viel passiert in dem Monat. Mein Großvater ist heimgekehrt, und zwar am 10. Januar, also einen Tag nach meinem letzten Eintrag. Es war etwas plötzlich und unerwartet, obwohl er schon ziemlich betagt war. 94 Jahre sind eine ganze Menge.

Mein Großvater...

still und unerkannt
bescheiden und
mit Gnade überhäuft
auf der Suche nach
dem kleinen bisschen Glück
kam zurück aus der
Hölle des Krieges
sein bruder nicht
hat gearbeitet
hat mit seinen Händen
so viel immer noch sichtbares
geschaffen, gemalt, mit
Stuck geschmückt
liebte liebte liebte
seine Schlittschuhe
seine Frau
meine Schwester
las auch mit 94 noch Zeitung
hat in seinen jungen Jahren
so viel erlebt
ich glaub
der Krieg hat ihn gebrochen
wo sollte das Glück nur sein
so vieles nimmt er mit
weiß keiner mehr
nur er

Es ist so traurig, dass ich niemals mehr seine Hand werde drücken können. Zumindest nicht im Diesseits. Aber ich bin mir recht sicher, er hat am 11. Januar mit meiner anderen im Oktober verstorbenen Oma deren Geburtstag gefeiert. Gerade rechtzeitig ist er da angekommen...

Das Jetzt ist so kostbar, und ich bin fest davon überzeugt, dass wir jetzt in unsere Nächsten investieren müssen, denn irgendwann ist es zu spät. Zu vieles bleibt dann unwiderbringlich.

Im Jetzt bin ich deswegen auch nicht bereit, mich fürs Praktische Jahr krummzumachen. In den letzten Tagen bin ich gegen unsichtbare Betonmauern gelaufen, was meinen Wunsch nach PJ in Teilzeit angeht. Einzig das Krankenhaus, das in der Angelegenheit ja eigentlich am meisten zu sagen haben sollte, ist in allen Punkten einverstanden. Die Verwaltungsmaschinerie des Landesprüfungsamtes sowie der medizin. Fakultät der Uni köln stellen sich quer.... Das macht mich ein bisschen verzweifelt. Ich bin nicht bereit, Vollzeit PJ zu machen. Mona ist im August grade ein Jahr alt. Vielleicht bin ich ja doch etwas altmodisch in der HInsicht. Aber ... nein, ich will das nicht. Ich will sie auch nicht in eine KiTa geben, sondern zu einer Tagesmutter. Das war einfach auch der Grund, warum ich meine Kinder im Studium bekommen habe: Weil solche Dinge einfacher zu realisieren sein sollten als später!

Manchmal reißt mich dann der Frust weg... So vieles verpasst, Dinge, die ich nie nachholen kann:
Studium schnell durchziehen
mich nebenbei engagieren, z.B. Teddybärkrankenhaus,
Famulaturen im Ausland
PJ im Ausland
Zeit fürs Schreiben
Eindrücke sammeln
Er-leben
...
...

Stattdessen:
fast 10 Jahre Studium
zwei Kinder
langweilige Hausarbeit
keine einzige Woche meines Studiums im Ausland
null Engagement (wenn man von der Eltern-Kind-Initiative absieht)
wenig Zeit fürs Schreiben
viele Erlebnisse mit den Kids
viel Liebe zurück
ein Stück vom Glück
einen meist sehr lieben Ehemann
viele kurze Nächte
Kotze in den Haaren
Pipi am Boden
Spaß
Nervaufreibendes Schreien
manchmal abselut keine Nerven für nix
ein sich ständig Reflektieren
Erleben, dass ich so unfertig bin
so fehlbar voller Schwachstellen
viel viel lernen und an sich selbst arbeiten
verletzlich sein, denn Kinder machen sehr verletzlich
bin unersetzlich für meine Familie
viele viele bunte Bilder und Bastelarbeiten
(was macht man damit?? Ich kann kaum alles aufheben...)

Vielleicht hat sichs doch gelohnt.... war nicht im Ausland, dafür im Kinderland!