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17 Mai 2009

Konsum und Wirtschaftskrise

Schon seit längerer Zeit mache ich mir Gedanken über mein Konsumverhalten. Als ich vor kurzem bei einem großen schwedischen Möbelhaus war, bin ich wirklich sehr ins Grübeln gekommen.

Wir waren mit den Kindern und einer Freundin und deren Sohn also bei Ikea. Die Kinder konnten ins Smaland, worauf Ida sich schon lange gefreut hatte. Mona habe ich mir im TT umgebunden, das war sehr gut, sonst wär es zu viel für sie gewesen.
Volker besorgte schon mal seine Regal-Teile, während ich mit M. durch den Laden zog.
M. muss finanziell immer sehr gut kalkulieren. Sie überlegt also sehr genau, ob etwas passt bzw. ob sie es braucht, oder nicht. Volker und ich hatten uns auch vorab eine kleine Liste zusammengestellt, damit wir nichts vergessen (und stattdessen dann irgendwelchen überflüssigen Kram kaufen).

Also… los… Hmm. Es ist schon ziemlich hardcore, durch I**A zu ziehen und wirklich nur die Sachen mitzunehmen, die man sich aufgeschrieben hat. Bei den Küchenutensilien meinte ich zu M.: „Lass uns schnell durch. Tassen und so sind echt billig, sehr verführerisch! Und Frischhaltedosen hab ich sowieso zu viele.“ – Nun ja, Volker kam dann mit 10 Gläsern und einer großen Packung Frischhaltedosen an… J da sag noch mal einer, Frauen wären dem Einkaufen verfallen…
Noch viel krasser finde ich es allerdings, wie meine Freundin M. es getan hat: Durch dieses schwedische Möbelhaus ziehen und abselut NICHTS zu kaufen. Keine Servietten. Keine Teller. Keinen Stoff. Keine Bettwäsche. Keine Kisten. Kein garnix.

Abends habe ich dann ein bisschen sinniert und nachgedacht und mit Volker gesprochen.
Vor einiger Zeit habe ich mich mit meinen „ökologischen Fußabdruck“ auseinandergesetzt. Dabei bin ich über eine Frage zu second-hand-Waren gestolpert. Ist ja eigentlich logisch: jedes neue Pressspan-Regal muss hergestellt werden. Das verbraucht Ressourcen, Energie, Bäume…. Und wie lange hält so ein Regal? Ein bis zwei Umzüge. Dann ist es hin. – Wir haben einen Esstisch da stehen, der ist noch von Volkers Großmutter, also bestimmt an die 100 Jahre alt. Insgesamt haben wir doch deutlich mehr gebrauchte als neue Möbel. Auch für Ida haben wir gebrauchte KiZi-Möbel gekauft, warum auch nicht? Ich finde sie total schön, zeitlos, und sie sehen auch noch nicht „abgenutzt“ aus.

Seien wir mal ehrlich: Der Konsummarkt ist völlig übersättigt. Eine breite Schicht hat fast alles: Kinderspielzeug in rauen Mengen (davon später mehr), Möbel, Kleidung, Elektronikwaren, also PCs, Handys, Kameras etc. Gerade bei Kindersachen ist es sehr offenkundig: Das meiste braucht man nur eine recht kurze Zeitspanne. (KiWa, Laufstall, Babywippe – die sind neu echt schweineteuer!, Kindertisch und –stühle etc., Strampler, Bodys….) Und dann? Ist das alles meist noch ganz gut in Schuss. Kann wieder getragen werden. Hat vielleicht nen Fleck mehr, der nicht rausgeht. Aber wen stört das bei einem Kleinkind, was sich sowieso nach spätestens 10 min vollsabbert?
Klar gibt es Sachen, die sich auch lohnen, neu zu kaufen. Wir haben Ida z.B. eine gute Robust-Jacke gekauft. Die war teuer, hält aber mindestens bis nächstes Frühjahr (da schön groß gekauft) und Mona darf die auch noch anziehen!
Ich weiß nicht, ich hab keinen Bock mehr auf billigen Kram kaufen, der nach kürzester Zeit kaputt geht. Ich hab auch keine Lust mehr, langlebige Dinge neu zu kaufen. Berühmtes Beispiel aus unserem Haushalt: Wir besitzen einen Kinder(hoch)stuhl, in dem meine inzwischen 16- und 18-jährigen Geschwister schon drinsaßen. Wir haben jetzt (gebraucht) einen zweiten gekauft. Wertverlust hatte der glaub ich keinen. J Wenn sowieso alle alles haben und man Dinge wie Kinderspielzeug und –anziehsachen zirkulieren lassen kann, warum dann überhaupt noch auf die Konsummasche reinfallen? ---

Die Weltwirtschaftskrise ist für den Westen absolut symptomatisch, wenn ihr mich fragt: Der Markt ist einfach hemmungslos übersättigt. Für mich ist es eigentlich logisch, dass das Wirtschaftswachstum an Grenzen stoßen muss. Gleichzeitig widert mich der Kaufrausch inzwischen an. Insbesondere dieses „Hauptsache billig! Schnäppchen gemacht!“ Uahh. Wobei man es schwieriger hat, wenn man nicht so aufs Geld schauen muss. Jesper Juul hat das so nett ausgedrückt: In einer Zeit, in der es kein großes Problem für viele Eltern ist, jeden Tag eine Kugel Eis zu kaufen, muss man seine Werte, seine Grenzen, seine Prinzipien neu überdenken. Und man kann sie eben nicht einfach am Geld festmachen… da muss man sich schon bessere Argumente überlegen. Besonders, wenn man so ein schlaues Mädchen hat wie wir!

Meine theoretischen Überlegungen sollten sich schon bald in der Praxis bestätigen. Drei Tage später hatten wir hier Sperrmüll. Ida wollte nicht in den KiGa gehen. Also sind wir so ein bisschen unterwegs gewesen. Ich hab mich so bisschen umgesehen, was es da alles für umsonst gab: z.B. einen Wipp-Schaukelstuhl, der nur einen etwas schmuddeligen Bezug hatte. Oder eine Plastik-Spielküche „mit Zubehör“, die unbeschädigt war. – Die haben wir dann zu Idas Freude mitgenommen. Sie steht nun auf unserer Terrasse.
Was gabs noch? Tischplatten, Eckbänke und Sofas, die etwas aus der Mode gekommen waren, einen sehr schönen gedrechselten Stuhl habe ich leider erst gesehen, als er ins „Entsorgungs-Mobil“ wanderte. Einen weißen Sonnenschirm mit Ständer, der halt bissl grau geworden war. Ich fühlte mich in meinen Überlegungen voll bestätigt. Die Leuts haben einfach alles und davon ZU VIEL!

Das Schlimme dabei ist, dass bei weitem selbst im Westen nicht alle alles haben. Es gibt da einen immer breiter werdenden Rand der Gesellschaft, der nicht teilhaben kann. Seit jeher geschieht Konsum auf Kosten anderer! Der ganze billige Kram muss ja auch billig produziert werden. Das geht nur mit billigen Arbeitskräften, billigen Rohstoffen und in aller Regel auf Kosten der Umwelt. Was für krasse Auswirkungen das haben kann, sieht man bspw. in Papua-Neuguinea.

Aber das … könnt ihr entweder selbst herausfinden. Oder auf einen Eintrag dazu warten.

Die Fastenzeit ist zwar schon vorbei. Wer will, kann sich mit mir auf ein Konsum-Fasten einlassen. Sagen wir, für 14 Tage?
Bis dahin. Gods Blessing.

28 April 2009

Pui war dieses Jahr noch viel schöner als letztes Jahr, obwohl Volker weniger zum Fliegen kam - oder grad deswegen? Es fühlte sich fast ein bisschen wie nach Nach-Hause-Kommen an, denn wir waren wieder im selben Bungalow wie im letzten Jahr. Jedenfalls waren wir schön wandern, hatten viel viel Spaß mit den Kindern und haben jede Menge Carokaffee getrunken. Mit Familie M. haben wir so ziemlich jeden Tag zusammen gegessen und uns beim Kochen abgewechselt. (Oder: ich koch die Nudeln, du die Soße...)



Ich bin sogar mal mitgeflogen! Wir haben uns die Verdun-Schlucht von oben angesehen, das ist wirklich sehr beeindruckend.



Natürlich gabs auch Reibereien, zwischen den Kleinen wie den Großen. Aber insgesamt... wars sehr harmonisch. Wir freuen uns sehr aufs nächste Jahr! - Ich wünsch mir allerdings dann ein richtiges Osterfest und ein bisschen mehr Besinnlichkeit zum Karfreitag. Das ist leider total untergegangen. Ida durfte am Sonntag zwar noch Ostereier suchen. Aber dann sind wir ja schon wieder gefahren. So haben wir Ostern mehr oder weniger auf der Straße verbracht...

Kaum zu Hause, hat es mich "umgehauen" und ich lag mit 39,5 Grad Fieber im Bett. Das hatte ich schon sehr sehr lange nicht mehr! Gott sei Dank war es nach 3 Tagen überstanden. Die zugehörigen Hals- und Kopfschmerzen waren verschwunden.

Volker ist ja nun ganz viel hier zu Hause, denn er hat noch bis Ende Juni Elternzeit. Er hat schon geunkt, ob er jetzt auch einen Bestseller schreiben soll... aber wir sind ja alle hier, er hat es also denkbar einfach. Mona gewöhnt sich nun langsam an ihn und freut sich inzwischen richtig, wenn sie ihn sieht. (Das war zuvor nicht der Fall, muss wohl daran gelegen haben, dass Volker sehr viel gearbeitet hat und oft ging und kam, als sie schlief.) So ist es insgesamt recht entspannt hier. Es gibt natürlich trotzdem 1001 Sachen zu tun. Die allerletzten Kartons warten aufs Auspacken, Idas Zimmer und Spielecke müssen dringend überarbeitet und aufgeräumt werden, Kisten beschriftet, noch ein paar Regale angebohrt werden und und und. Im Garten gibt es jetzt auch jede Menge zu tun, bin am Unkraut zupfen und habe die Tage einen (noch ganz kleinen) Flieder gepflanzt.

So, demnächst mehr -- :-)

20 September 2008

Wir mieten ein Haus...

Im April (meine ich) unterschreiben wir den Mietvertrag. --

Zuvor waren wir zwei Wochen in Puimoisson auf dem Segelflugplatz, zusammen mit Familie M. - Sie haben auch zwei Töchter, und die Kinder hatten viel Spaß zusammen und haben gerne miteinander gespielt. Leider waren dann auch die zwei kleinen krank mit Fieber; Ida hat sogar wieder ins Bett gemacht, obwohl sie schon ein paar Wochen keine Windel mehr hatte. Es war ziemlich kalt (Volker hatte mir noch vorher vorgeschwärmt, dass es bestimmt an die 20 Grad haben wird...), zum Glück hatten wir komplette Winterausrüstung mit dabei. Ich hatte schwangerschafts- und kältebedingt Symphysenschmerzen (Schambeinschmerzen), die teilweise wirklich heftig waren. Volker hatte zwei Tage ein entzündetes Auge und konnte also auch nicht fliegen. Der Strom fiel zwei, drei mal aus, da gingen dann die Elektroheizungen im Bungalow auch nicht mehr :-) ... na es war ein recht gelungener Urlaub... nein, irgendwie war es ja doch sehr schön! Gerade für die Kinder, und die Männer haben ein paar gute Flüge gemacht. Und die Frauen haben sich gut unterhalten, immer schön bei einer Tasse Kaffee oder Caro-Kaffee.

Der Mietvertrag galt ab 1. Juli. Die Vormieter jedoch hatten angedeutet, dass ihr Hausbau vielleicht schon früher so weit ist, dass sie einziehen könnten - sie wollten zu Ende Mai ausziehen. Das fanden wir sehr positiv, schließlich sollte das Baby Anfang August kommen, und renovieren wollten wir im "neuen" Haus ja auch noch.

Oh, ich habe glaube ich noch nicht erwähnt, dass das ganze Haus in verschiedenen Orange-Tönen gehalten war... die Vormieter hatten eine Vorliebe für echte Knallfarben. Uns war also klar, dass hier Profis ran müssen..


In der Zwischenzeit hatte die Uni wieder angefangen. Bald schon war mir Fahrrad fahren mit Anhänger mit Ida drin echt zu anstrengend, was auf viel nervige Autofahrerei hinauslief. Ich fragte mich zeitweise, wie ich auf die glorreiche Idee gekommen war, gerade Rechtsmedizin und Humangenetik im schwangeren Zustand belegen zu müssen... Rechtsmedizin war teilweise schon etwas schaurig. Das Baby im Bauch strampelte immer in den Vorlesungen! Nun ja, es waren meine beiden letzten noch verbliebenen Fächer. Die mündliche Prüfung in Rechtsmedizin war gut zu machen, und so hatte ich im Mai einen weiteren Schein in der Tasche. Blieben nur noch zwei Klausuren.

EKI - Die Elterninitiative, in der Ida betreut wurde - wurde auch immer anstrengender für mich mit Bauch. Wegen meiner Schambeinschmerzen konnte ich im Prinzip nicht mehr schwer heben, also auch keine Kleinkinder mehr durch die Gegend schleppen. Zum Glück hatte ich meinen Dienst-Tag immer mit M. zusammen, die mir sehr viel abnahm und sehr, sehr viel Verständnis hatte. Sie ist aber auch Physiotherapeutin...

Meine Schambeinschmerzen hatten aber auch etwas Gutes: Ich wollte zum Orthopäden. Es ist ja bekannt, dass das deutsche Gesundheitssystem nur begrenzt funktioniert. Insbesondere bei Orthopäden hat man immer ein Problem mit den Wartezeiten... Ich sollte also um 8h in der Früh da sein. Das klappte aus diversen Gründen nicht (Volker konnte Ida nicht in die EKI bringen), also war ich erst um 10h da. Da wurde ich dann aber abgewiesen, sie könne nun wirklich keine Patienten mehr annehmen für den Tag...
Als ich aus der Praxis raus Richtung Auto lief, entdeckte ich den Ladenraum eines Maler- und Renovierungs-FAchmannes. Ich sah mal rein, und der Malermeister war mir recht sympathisch. So sind wir zu unserem Maler gekommen... da war der Weg zum Orthopäden doch nicht ganz für die Katz.

Ende Mai war dann endlich klar, dass wir nicht früher in das Haus einziehen können. Die Vormieter zogen dann schließlich Ende Juni aus, wir konnten eine Woche früher in das Haus.

Dann ging es los mit renovieren. Der Malermeister ging in den Urlaub. Sein Kompagnion übernahm, und etwas verzögert legten sie los. Volker und ich hatten uns bereits den Kopf zerbrochen, wie man die einzelnen Zimmer streichen könnte. Wir hatten teils recht unterschiedliche Vorstellungen. Volker war sehr gegen "grün". Jetzt ist der Küche-Ess-Bereich in einem sehr schönen Grünton gestrichen, zu dem unsre Birke-Küche und die Holzmöbel gut passen. Ich konnte mir "rosé" im Schlafzimmer überhaupt nicht vorstellen. Es ist aber sehr sehr schön geworden.

Die Appel´sche Arbeitsabordnung rückte an: Volkers Schwester, sowie die Schwiegereltern, legten los, bevor wir überhaupt offiziell drin waren. Tapeten in Idas Zimmer wurden runtergerissen. Das war recht mühsame Arbeit, da die Rauhfaser mehrfach übergestrichen war und sich nur mit viel Wasser und Einweichen gut von der Wand lösen ließ. Ich stand die ganze Zeit nur dumm rum oder beschäftigte Ida. Mit meinem inzwischen hochschwangeren Bauch hatte ich quasi Arbeitsverbot.

Zwei gute Freundinnen, M. und M. :-)begannen mit dem Tapezieren. - Insbesondere M., die mehrmals kam und mit mir einiges "organisierte", kaufte und auf die Beine stellte, sei hier erwähnt!! - . Auf Anraten des Malers klebten wir erst Makulatur (Volkers Schwester: So was hab ich nie gemacht! Braucht man nicht!...). Ein Tipp an alle, die mal Makulatur kleben wollen: Ganz kurz einweichen und ganz schnell an die Wand bringen!!!!!! Ist ganz anders als richtige Tapete, die ja erst eine Weile mit Kleister eingeweicht wird.

Es sei noch erwähnt, dass wir ja zeitgleich "zu Hause" Kartons packen mussten/sollten/wollten. Ich glaube, Volker und ich haben zusammen vielleicht 50 Kartons gepackt. Die restlichen 100 Stück verteilen sich auf: meine Eltern, meine liebe Freundin Christina und die Möbelpacker, die das Geschirr aus der Küche am Umzugstag einpackten.

So, bevor die Zeitkurve für alle Leser noch konfuser wird, hör ich jetzt mal auf und geh ins Bett. Eine kurze chronologische Abfolge sowie Fotos folgen.