10 Mai 2026

Boromir und tiefere Ebenen

 Gedanken zu Tolkiens "Der Herr der Ringe"

 Seit vielen Jahren lese ich immer einmal wieder Tolkiens "Der Herr der Ringe". Ab und zu stoße ich dabei auf interessante Einsichten. Ich möchte euch an meinen aktuellen "Erkenntnissen" teilhaben lassen... Dieser Text ist glaube ich nicht verständlich, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Sollte man aber! :-)

Zu Beginn des zweiten Bandes "Die zwei Türme" verteidigt Boromir die zwei Hobbits Pippin und Merry gegen Orks und stirbt dabei. Kurze Zeit darauf wird er von Aragorn, Legolas und Gimli von Pfeilen durchsetzt gefunden. Pippin umd Merry und auch Sam und Frodo sind verschwunden. Gimli, Legolas und Aragorn beratschlagen, was sie tun sollen: den Orks hinterher, um Merry und Pippin zu retten? Sam und Frodo suchen? Sind vielleicht alle vier von Orks gefangen genommen worden? 

Sie entscheiden sich für das, was heute oft nicht getan wird. Sie beschließen, erst Boromir zu bestatten. Trauer zu halten. Ihm einen würdigen Abschied zu gewähren. Sie singen ihm sogar ein Abschiedslied. In Tolkiens Erzählung ist das eine sehr wichtige Entscheidung, die alle möglichen Konsequenzen hat. Um ein paar zu nennen:

Gimli, Legolas und Aragorn bringen Boromir zu den Booten, sie wollen ihn auf dem Fluss bestatten, da alle anderen Optionen zu lange dauern. Dort entdecken sie, dass ein Boot fehlt und schließen später daraus, dass Sam und Frodo ans andere Ufer gepaddelt sind und der Ringträger außerhalb ihrer Reichweite ist. 

Die drei gehen erst viele Stunden später los, um Merry und Pippin zu retten. Das hat zum einen zur Folge, dass sie die Orks nicht einholen - sie wären sowieso zahlenmäßig überlegen gewesen und es hätte mindestens noch mehr schwer Verletzte auf ihrer Seite gegeben. Zum anderen treffen sie so die Rohirrhim, die Reiter von Rohan, welche die Orks vor ihnen erwischen und ermorden. Merry und Pippin werden nicht von ihren Freunden gerettet, sondern durch die Rohirrhim und eigenes Geschick und Glück. Die Hobbits treffen im Wald Fangorn auf den Ent Fangorn, der für den Fortgang der Geschichte eine wichtige Rolle spielt. 

 Man könnte sagen: nur die Entscheidung, Boromir erst einmal zu bestatten, hatte so viele gute Konsequenzen. Ich empfinde es so, dass dies eine tiefe Wahrheit in sich trägt, und das ist bei Tolkien sicherlich kein "Zufall". Er vermittelt etwas, das wir in der heutigen Zeit oft vergessen, oft nicht wahrhaben wollen und oft nicht glauben.

Unsere Handlungen haben langfristige Konsequenzen. Weises Handeln, das die inneren ethischen und moralischen Gesetzmäßigkeiten beachtet, führt langfristig, über Umwege, zu einem guten Ende. Wenn wir ethische und moralische Grundsätze nicht beachten, wenn wir an wichtigen "Marterln" oder Wegpunkten einfach "vorbeijoggen", sind das Abkürzungen, die oft noch mehr Unglück nach sich ziehen. Tolkien geht davon aus, dass (zumindest in der Welt des Herrn der Ringe) eine tiefere, innere Verwobenheit und eine der Welt zugrundeliegende "Innenebene", wie die "Seele der Welt", mitbestimmt, wie Handlungen und Taten sich entfalten und welche Wirkweise sie haben. 

Manchmal kann aber auch die unmoralische oder ethisch unbedachte oder "falsche" Handlung eines Einzelnen dazu führen, dass eine andere Person die richtige Entscheidung trifft  - so ist es mit Boromir, der versucht, Frodo zu überreden, mit ihm nach Minas Tirith zu kommen, um den Ring als Machtwerkzeug zu verwenden. Frodo ist sich im Klaren darüber, dass dies nicht funktioniert. Die Bedrängnis durch Boromir gibt ihm die Kraft, die Gefährten zu verlassen und (mit Sam) auf die andere Flussseite überzusetzen und seinen Weg nach Mordor zu suchen. Er weiß schon, dass es die richtige Entscheidung ist, aber er braucht einen Anlass, um den Mut zu finden, zu gehen.

Durch die ganze Geschichte zieht sich ein unsichtbarer Faden, nämlich, dass es noch andere, tiefere Mächte gibt, und dass moralische Entscheidungen die Geschichte in die richtige Richtung tragen. Dass die Ausrichtung von Entscheidungen an Werten wie Freundschaft, Mut, Hoffnung, Vertrauen, Gemeinschaft, Mitleid, Demut mehr bewirken als alles Böse aus Mordor und letztlich dazu beitragen, dass Sauron fällt. 

Ich bin noch mitten drin und muss nun weiterlesen. Vielleicht fühlt sich der eine oder andere inspiriert. 

 

12 November 2022

Hiobs Zweifel die zweite.

 Diesen Text habe ich 2022 geschrieben. Inzwischen sind wir noch zweimal umgezogen. Ein Kind hat eine seelische Erkrankung entwickelt, die uns wahrscheinlich noch länger begleiten wird. Aktuell bin ich auf Arbeitssuche. Unsere Lage hat sich über die Jahre trotzdem in manchen Punkten verbessert und beruhigt. Ich möchte euch dies hier nicht vorenthalten, denn ich fühle mich immer noch oft wie Hiob, oder wie der ältere Sohn aus dem Gleichnis des Verlorenen Sohnes. Das im Text genannte Buch habe ich immer noch nicht ganz zu Ende gelesen...

 

 Manch einer, der hier so vorbei schaut, hat meinen Post über "Hiobs Zweifel" gelesen. Ich habe damals geschrieben, dass Hiob mir sympathisch ist, weil er Gott die Brocken hinwirft und verzweifelt, wie Gott sein Leid zulassen kann. Seine Freunde haben die üblichen Erklärungen: Du musst gesündigt haben, deswegen lässt Gott das alles zu. Wenn du genug glaubst, wird es wieder besser. Und überhaupt haben sie viele gute Tipps für Hiob. Aber das Beste, das sie für ihn tun können, ist, eine ganze Weile mit Hiob auszuharren und zu schweigen. Denn es gibt nichts zu sagen. 

Damals habe ich geschrieben, dass ich so mit Zweifelnden umgehen möchte. Sie aushalten. Für sie weiterglauben. An ihrer Seite bleiben.

Heute schaue ich auf eine ziemlich lange Zeit des Zweifels und Verzweifelns zurück. Ich kann sagen: es haben nur wenige neben mir ausgehalten und ausgeharrt. Manche haben mich vielleicht sogar gemieden, denn es könnte ja sein, dass meine Zweifel ansteckend sind. Unter Umständen hätte man da seinen eigenen Glauben auch hinterfragen müssen.Und natürlich gab es auch die Besserwisser.

Seit ungefähr drei oder vier Jahren kann ich sagen, dass wir hier eine Hiobsbotschaft nach der anderen bekommen. Sicher, alles nicht lebensbedrohlich. Manchmal sind es vielleicht nur "kleine" Dinge, wie z.B. zwei Meerschweinchen, die überraschend sterben. Oder die Nachricht des Förderstopps für KfW-Häuser, in einer Zeit, als wir gerade bauen wollen. Wenn dann noch ein Krieg mit steigenden Rohstoffpreisen und Inflation dazu kommt, fragt man sich: Wieso JETZT? Wo wir uns endlich durchgerungen haben, hier zu bauen.

Dann stirbt ein sehr naher Verwandter völlig unerwartet. 

Kurz darauf wird mein Mann gekündigt, 10 Monate nach dem Umzug.  

Das waren so ungefähr die Katastrophen der letzten drei Monate. 

Ich fühle mich wirklich wie Hiob. Ich frage mich, was denn nun noch alles passiert und wie tief wir fallen werden. Wobei wir ehrlicherweise nicht so tief fallen. Ich arbeite weiter als Ärztin, und ich habe auch keine Angst, dass es finanziell eng wird. Damit kann ich umgehen.

Trotzdem bin ich an einem Punkt, an dem ich manchmal schon gar nicht mehr erzähle, was bei uns so los ist, weil bei uns eben ständig solche richtig heftigen Dinge passieren, am laufenden Meter. 

Obwohl also die Fallhöhe in den letzten Monaten ganz schön zugenommen hat, sind meine Zweifel an Gott ein klein wenig kleiner geworden. Das liegt auch an einem Buch, das ich angefangen habe zu lesen, bin aber noch nicht ganz durch:

"Nimm sein Bild in dein Herz auf" von Henri Nouwen. 

Es ist eine geistliche Betrachtung eines Bildes von Rembrandt, dem Bild "Die Rückkehr des verlorenen Sohnes". 

Wikipedia: Die Rückkehr des Sohnes 

Herr Nouwen berichtet, wie das Bild ihn verändert hat und welche Erkenntnisse er über mehrere Jahre zu diesem Bild gewonnen hat und wie sich sein Gottesbild und auch sein Selbstbild dadurch verändert hat. Tief bewegt hat mich das Kapitel zum älteren Sohn, der auf dem Bild zusieht, wie sein Vater den Jüngeren in Empfang nimmt. Im Bibeltext vom "Verlorenen Sohn" beschwert sich der Ältere: Er arbeite gehorsam seit langer Zeit auf dem Hof des Vaters, aber noch nie sei ein Mastkalb für ihn geschlachtet worden. In anderen Worten: "Ich war immer brav, und der bekommt die Party!"
Selten liest man von geistlichen Vorbildern, wie sie ihre Schwächen beschreiben. Eigentlich gibt es so etwas gar nicht in der modernen christlichen, vor allem freichristlichen Literatur. Es gibt tausend Bücher im Ratgeber-Stil "So wirst du ein besserer Christ". Aber selten habe ich gelesen, dass ein Autor seine Schwäche preisgibt.
Henri Nouwen beschreibt, wie er selbst eifersüchtig und neidisch auf andere war (und manchmal noch ist), die weniger für Gott getan haben und trotzdem angesehener waren und fröhlicher und einfacher glauben konnten. Er beschreibt, wie er sich von Gott zurück gesetzt fühlte, weil sein Leben nicht so glatt lief wie das anderer Menschen, die vielleicht sogar Gottes Gebote missachtet hatten. Und ich fühle mich so verstanden. Ich fühle genau so. Ich habe mich investiert in Gemeinde, habe versucht, mein Christsein nach bestem Wissen und Gewissen zu leben, habe an wichtigen Wegkreuzungen Gott nach Seiner Führung gefragt und meinte auch, an den wichtigsten Punkten Gottes Richtungsweisungen gefolgt zu sein. Trotzdem erfüllte sich sehr vieles nicht, erwies sich vieles als schwierig und unwegsam. Trotzdem sah ich mich zurückgesetzt und benachteiligt, sah ich meine Träume und Herzenswünsche vorbei ziehen und es schien mir so, dass sich die Zeitfenster und Möglichkeiten verschlossen, in denen ich meinem Leben noch irgendwie eine Richtung geben konnte, die ich, nur ich wollte und wo ich mich nicht den äußeren Zwängen beugen muss (Ehe, Kinder, Familie). Bei Männern heißt das Midlife Crisis und geht oft mit jungen Frauen und Motorrädern einher. Mir meinen eigenen egoistischen Weg suchen wäre also auch eine Möglichkeit für mich, also als "Älterer Sohn" mit Blick auf den Jüngeren, der einfach ein ausschweifendes und egoistisches Leben gelebt hat. Wenn er das kann, warum dann nicht ich? Wahrscheinlich ist die einfache Antwort: Weil ich zu viel Angst vor dem Vater habe: was würde mir passieren, wenn ich so handelte? Weil ich überhaupt zu feige bin, so ein egoistisches Leben zu führen.... Und das sagt in erster Linie etwas über mein Bild vom Vater aus, und über mein Bild von mir selbst.

Henri Nouwen schreibt von zwei Dingen, die den Älteren Söhnen und Töchtern helfen, nicht bitter zu werden und Gott näher zu kommen und mit ihrer Rolle fertig zu werden:

Dankbarkeit und Vertrauen.

Beides nicht meine starken Seiten, wer hätte das gedacht. 

Da habe ich jetzt also eine neue Aufgabe.

16 März 2022

Wir sind "aufs Land" gezogen. Was ist in Niedersachsen anders als in NRW?

 Wie ihr ja bereits wisst, sind wir umgezogen. Bis letzen Sommer haben wir am Rande einer mittelgroßen Stadt am Niederrhein gelebt. Was uns Erwachsene da etwas gestört hat: überall sind Menschen. Kaum kommt die Sonne raus, sind die Radwege entlang des Rheins voll mit E-Bikes, Rennradfahrern, Kinderanhänger und Otto-Normalos. Und auf den Straßen ist immer viel los. Und in den Supermärkten erst! Oder in der Innenstadt. Überall gibt es Schlangen. Z.B. Sonntag morgens vorm Quartiersbäcker. Außerdem gibt´s viel Industrie und schlechte Luft. Und Lichtverschmutzung. Kaum dass man mal ein paar Sterne am Nachthimmel entdeckt.

Also sind wir jetzt "aufs Land" gezogen. Nicht ganz freiwillig, der Job ist schuld. Für hiesige Verhältnisse wohnen wir dicht an der 30.000-Einwohner-Stadt dran, im nächsten Stadtteil quasi. 3,5km bis zum Stadtzentrum und zur Schule. Ich als Erwachsene bin sehr ernüchtert nach 7, 8 Monaten hier. Heute hatte ich wieder so ein Erlebnis, das mich beinahe hat verzweifeln lassen: ich brauche Passfotos. Da ich es arbeitsbedingt gestern und vorgestern nicht in die Stadt geschafft habe, bin ich heute rein geradelt. Und dann stand ich da kurz vor 17h vor dem Fotoladen, und der war zu. Mittwochs ist nur bis 13:30h geöffnet. Ich habe fast geweint! Morgen habe ich den Termin im Bürgerbüro für den Reisepass... Naja. Muss ich noch vorher hin, mich ablichten lassen.
Die Öffnungszeiten machen mir (jaja, ihr Niedersachsen, lacht nur) wirklich Probleme. Samstags sind hier in der Stadt nach 14h nur noch Cafés offen. Und das Einkaufszentrum mit H&M und C&A. Die ganzen netten, kleineren Läden sind dann zu. Und wir sind Spätaufsteher, samstags, und Langfrühstücker! 

Die Kinder finden es auch ein halbes Jahr später noch überwiegend nicht so super gut. Teilweise auch ganz schlecht. Sie vermissen ihre Freunde und ihre gewohnte Umgebung. Manches hat sich eingespielt, manches ist immer noch sehr schwer für die Kinder. Zum Beispiel der Karneval. 

Das war mir ja vorher gar nicht sooo klar! Ich bin selbst in Bayern groß geworden, da ist Karneval, oder wie es da heißt, Fasching, keine so große Sache. Wird gefeiert, ja, aber das ist nicht wie in Köln oder Düsseldorf. Oder wie da, wo wir früher gewohnt haben. Mir war irgendwie nicht bewusst, dass das für meine Kinder ein wichtiges Ritual im Jahreskreis war. Sich schminken, sich verkleiden, mit viel zu dünnen Kleidern und dicker Jacke drüber  in die Schule radeln (Weiberfastnacht!) und Polonaise durch die Schule machen, Chips und Schokoküsse essen, Fanta trinken, mit Karnevalsmucke beschallt werden und vor allem eins: mit den Freunden ausgelassen feiern und Quatsch machen. Oder frierend am "Zoch" stehen und Kamelle sammeln! Am Niederrhein wird auch in den höheren Schulklassen noch ausgelassen Karneval gefeiert. Organisieren dürfen das dann die Oberstufen-Schüler. Es gibt meist auch einen Kostümwettbewerb.
Hier in Südniedersachsen ist das ganz anders. Also in der Schule wird schon mal gar nicht gefeiert, zumindest nicht an der weiterführenden Schule. Rosenmontag und Veilchen-Dienstag sind ganz normale, bierernste Arbeits- und Schultage. Man sieht nur sehr vereinzelt Kinder mit Hüten auf dem Kopf. Richtige Verkleidungen: weit gefehlt. Dann fehlt also völlig diese Ausgelassenheit zum Ende der kalten, dunklen Winterzeit. Heute merke ich erst, was für ein toller Brauch das ist. So war es ja auch früher gedacht: es wurde das Ende der kalten, dunklen Jahreszeit eingeleitet, der Winter wurde "davongejagt". Alle drei Kinder haben den Karneval sehr vermisst. Das Ritual war eben doch viel wichtiger, als ich dachte! Für nächstes Jahr muss ich mir was anderes überlegen. Vielleicht kann ein Teil des Karnevals zu uns kommen?

Aber eigentlich wollte ich ja über Stadt und Land schreiben. 

Hier gibt es nicht so viele Menschen. Wenn man bei strahlend schönem Wetter loszieht, kann es sein, dass einem auf manchen Wegen lange niemand begegnet. Wenn wir aus dem Fenster schauen, sehen wir weit und breit Felder, über denen nicht selten ein Milan kreist. Abends haben wir schon öfter einen fabelhaften Sternenhimmel über uns schimmern und leuchten sehen. 

Aber. Ihr habt es geahnt, es gibt ein nicht ganz kleines Aber.

Der erste große Schock für mich war, als ich feststellte, dass es hier, in einer 30.000-Einwohner-Stadt mit einem Landkreis von 120.000 Menschen, keine städtische Musikschule gibt. Wir sind hier halt auf dem Land, da ist man froh, wenn man im Städtehaushalt nicht auch noch so eine unnötige Belastung finanzieren muss. Was das für Konsequenzen hat, kann man sich nun mal nicht vorstellen. Liebe Freunde aus NRW: seht zu, dass euch die Musikschule erhalten bleibt! Ich weiß, sie wurde auch schon mal in Frage gestellt. Kämpft dafür, ihr ahnt nicht, wie wertvoll es ist, sie zu haben!

Meine drei Kinder spielen verschiedene Instrumente (wär ja sonst auch zu einfach). Die Große spielt Klavier, verzichtet zur Zeit aber ob der  Komplikationen auf den Unterricht. Die Mittlere spielt Querflöte. Es gibt in einem kleinen Nachbardorf eine (sic!) Querflöten-Lehrerin.  Sie hat sich ihre eigene kleine "Musikschule" gebaut und einen wunderschönen Anbau an ihr Privathaus gesetzt. Ein großer Raum mit Flügel, Luftreinigungsgerät (ihr wisst schon: die Pandemie) und kleiner Toilette im Vorraum. Sie bietet hier auch musikalische Früherziehung für die Kleinen an. Aber: Es ist halt auf dem Dorf, und wer kein Auto hat, wird kaum in der Lage sein, seine Kinder hier zum Unterricht zu schicken.Von uns aus ist es zu weit für das Kind mit dem Rad zu fahren (10km). Abgesehen davon gibt es keine Familienrabatte, was für uns konkret bedeutet, dass der Unterricht für zwei Kinder mehr kostet als am Niederrhein für alle drei Kinder zusammen inklusive Leihinstrument. Jaja, ihr habt schon richtig gelesen, der Musikunterricht ist um die Hälfte teurer hier. Das ist überhaupt eine der wichtigsten Erkenntnisse aus den ersten Monaten: Kinder haben ist hier um ein Vielfaches teurer als in NRW. Dazu später mehr. (Sowohl die NRW-Leser als auch die Niedersachsen werden ihren Augen nicht trauen, wie groß die Unterschiede sind.)
Der Jüngste spielt Saxophon. Auch hier ist die Lehrerauswahl sehr rar. Es gibt Musiklehrer, die die Schulräume nutzen, eine an sich gute Idee. Nur schwierig, wenn die Chemie nicht stimmt. Der Lehrer, den wir nun gefunden haben, berichtet, dass er an verschiedenen Tagen quer durch den Landkreis fährt, um in verschiedenen Orten Unterricht zu geben... Wobei er unsere Stadt ausspart (wahrscheinlich ein Agreement der Musiklehrer untereinander). Was bedeutet, dass wir zu ihm fahren müssen - mind. 20min. ein Weg. .... Früher, in der alten Heimat.... war die Musikschule zentral in der Stadt. Das Querflöten- und das Klavier-Kind sind selbständig mit dem Rad zum Unterricht gefahren. Den Saxophonisten habe ich gefahren, das Saxophon ist halt doch recht groß und schwer. 5 Minuten Fahrtzeit, ein Weg... Wir wohnen hier ca. 3,5km vom Zentrum der Stadt entfernt in einem kleinen Dorf. Zuvor waren es ca. 2km ins Zentrum, also der Unterschied ist nicht so groß. Trotzdem haben sich die Fahrtwege mindestens verdreifacht, weil so vieles nicht direkt vor Ort ist. Das geht nur, wenn man Zeit, ein Auto und Geld hat. Hier "auf dem Land" sind Dinge, die früher selbstverständlich waren, viel umständlicher, teurer und seltener. Die Auswahl ist kleiner, weshalb sich Monopole viel leichter errichten lassen. 

Das aus meiner Sicht problematischste Monopol hier ist das Schulmonopol. Es gibt in dieser Stadt nur ein Gymnasium. - In der alten Heimat waren es zwei staatliche Gymnasien und ein kirchliches. Da gehe ich aber nicht näher drauf ein, weil die Schule für mich ... schwierig... ist. So viel Ärger und Schulstress wie hier hatte ich schon länger nicht mehr (wobei die Grundschulzeit nicht gerade rund lief - an der Weiterführenden war alles gut!).

Über eine Sache muss ich aber schreiben: über Schulbücher. 

In NRW gibt es die sogenannte #Lehrmittelfreiheit. Das bedeutet, jedes Kind erhält von der ersten Klasse bis zum Abitur oder wie lange es auch immer die Schule besucht, kostenlos für alle Fächer Schulbücher. Was man zusätzlich besorgen muss, sind zB. Workbooks oder Übungshefte. Oder Klassenlektüren.  

Hier in Niedersachsen ist das so: 

Jedes Kind muss für alle Fächer selbst die Bücher käuflich erwerben. Einen Teil der Bücher v.a. in den Kernfächern kann man gegen eine Leihgebühr (etwa 1/3 des Kaufpreises!) ausleihen. Ab der Kollegstufe muss man für alle Bücher aufkommen, es gibt dann keine Leihbücher mehr. Die Leihgebühr für zwei Kinder lag bei 88€ (aber nur, weil ich drei schulpflichtige Kinder habe. Sonst wären es 106€ Gebühr gewesen). Dazu kommt dann die Anschaffung der restlichen Bücher und Arbeitshefte. Hier habe ich grob überschlagen für alle drei Kinder mindestens 350€ ausgegeben. Das heißt: nur damit die Kinder Bücher haben, musste ich ungefähr 430€ in die Hand nehmen. Und das wird jetzt jedes Jahr so sein. Manchmal kann man vielleicht Bücher weitergeben. Die Bibel in der Luther-Übersetzung werden wir auch nicht jedes Jahr wieder anschaffen. Aber wehe, ein Schulbuch wird neu aufgelegt. Für das Kind in der Kollegstufe kommen noch spezielle Abi-Packages dazu, wir haben ausgerechnet, dass sich das in den zwei Jahren auf ca. 150€ belaufen wird (30€ je Abifach, hier sind es 5 Abifächer.) Fehlen noch Lektüren. Und Kopiergeld gibt es auch noch. Sehr freundlich der Klassenlehrer der 5. Klasse: er zahlt das Kopiergeld aus seiner Tasche (es sind für die ganze Klasse ca. 200€).

Fällt euch was auf?

Der Unterschied ist enorm. In NRW habe ich für die Arbeitshefte je Kind nicht mehr als 30-40€ ausgegeben. Höchstens. Kopiergeld 10-15€ oder so.

Aber in Niedersachsen werden Eltern von Anfang an daran gewöhnt, sehr viel Geld für die Bildung ihrer Kinder auszugeben. Kindergarten in der nahe gelegenen Universitätsstadt ist unfassbar teuer, sobald man eine bestimmte Einkommensgrenze überschritten hat. Hier in unserer Stadt geht es. Aber es gibt kein kostenfreies Kindergarten-Jahr in Niedersachsen, anders als in NRW, wo schon seit mindestens fünf Jahren das letzte KiGa-Jahr frei ist. 

Auf dem Land gibt es frei laufende Hühner und Stille und Sternenstaub. Aber die soziale Ungerechtigkeit ist hier noch viel größer als am Niederrhein, einfach weil es viele Angebote nicht oder nur sehr eingeschränkt gibt und der Zugang zu verschiedenen Bildungsangeboten deutlich erschwert ist. Auch Geschlechterunterschiede werden so zementiert. Denn wer soll sich darum kümmern, dass die Kinder ständig von hier nach dort kutschiert werden? Wenn man sich nicht gerade eine Nanny leisten kann, ist das meist die Teilzeit arbeitende Frau. (Aber mein Mann fährt auch! Querflöte ist erst kurz vor 19h.)
Andererseits gibt es, wenn man hier aufgewachsen ist, möglicherweise auch noch andere Strukturen, die wir noch nicht so kennengelernt haben. Privat organisierter Musikunterricht bei jemanden, den man kennt, der wen kennt. Oder Fahrgemeinschaften. Oder... ich weiß es nicht. Da gibt es ja vielleicht auch noch was zu entdecken.

Trotzdem: Wenn ihr aufs Land zieht, dann macht das in NRW. In die Eifel oder so. Niedersachsen ist da nicht so geeignet, zumindest nicht mit Kindern.






22 August 2021

Kinderbücher - Teil 1 - Kleinkinder und KiGa Kinder.

Bücher erweitern den Horizont und bereichern das Leben. Manches transportieren Bücher besser als Eltern. Eine Geschichte erklärt oft besser, wie wir mit Gefühlen umgehen können, als Erklärungen der Erwachsenen. Selbst kleine Kinder begreifen schon bald kleine, kurze Geschichten mit sich wiederholenden Wortanfängen und lachen über ungeahnte Wendungen. Vorlesen und gemeinsam Bücher ansehen ist schon mit Kleinkindern möglich. 

Grundsätzliches zum Bücherkauf:

Bitte geht in den Buchladen vor Ort. Dort könnt ihr Euch die Bücher ansehen und Euch beraten lassen. Viele der von mir empfohlenen Bücher habe ich nur gekauft, weil sie mir wiederum von netten Buchhändler:innen empfohlen wurden. Es gibt alle paar Jahre neue beliebte und schöne Bücher. Nur wenige Kinderbücher bleiben Klassiker.

Wenn die Kinder schon einige Wörter sprechen können, kann es losgehen mit den

Ersten Büchern:

Max, Max und der Puppenwagen 

"Max und der Puppenwagen" von Barbro Lindgren und Eva Erkisson

Max fährt verschiedene Dinge im Puppenwagen spazieren; auch seinen Hund. Dieser bringt ihm die Dinge wieder, wenn sie rausfallen. Als der Keks rausfällt, verschwindet dieser.... Sehr ausdrucksstarke, niedliche Bilder! - Leider nur noch antiquarisch zu erhalten.
Es gibt noch mehr Bücher mit Max, z.B. "Max und der Schnuller", was derzeit auch noch erhältlich ist.

 

Gerstenberg Verlag Wimmelbuch Frühling | www.hannahey.comRotraut Susanne Berner - Sommer-Wimmelbuch | Attività per ...

Frühling-, Sommer-, Herbst- und  Winter-Wimmelbuch von Rotraut Susanne Berner

Die besten Wimmelbücher, die es gibt. Das Besondere an diesen Büchern ist, dass verschiedene Charaktere auf jeder Seite auftauchen und sich so verschiedene Geschichten zu Kindern, Erwachsenen und Tieren entfalten. Die Figuren tauchen in jedem der vier Wimmelbücher auf. So gibt es den Kater, der eine Katze trifft, und später gibt es Junge. Oder eine Familie, die ein Baby erwartet und eine Wohnung umgestalten muss. Oder die jahreszeitlichen Veränderungen auf einem kleinen Bauerhof. Sehr schön!

"Der große Ravensburger Liederschatz" von Marlies Scharff-Kniemeyer

Hier sind sehr viele alte, bekannte Lieder versammelt. Es gibt auch einige Fingerreime. Unser Exemplar ist ziemlich zerfleddert, weil es jahrelang sehr viel im Einsatz war. Ich erinnere mich sehr gerne an die allabendliche Singstunde, im Bett, mit meinen Kindern.
Kinder lernen mit Liedern und Reimen übrigens einfacher und schneller sprechen.

 

Bücher ab 2-3 Jahren:

Der Grüffelo - Vierfarbiges Bilderbuch - Axel Scheffler ...

"Der Grüffelo" von Axel Schäffler und Julia Donaldson

 Einer der wenigen "neuen" Klassiker. Hauptperson ist eigentlich die Maus, die im Wald nach Nüssen sucht und unterwegs Fuchs, Eule und Schlange trifft. Damit sie nicht gefressen wird, erzählt die Maus den dreien die Geschichte vom gefährlichen Grüffelo. Bis sie ihn plötzlich in persona trifft...
Ein so schön und detailreich bebildertes Buch über Mut! In Reimform, dadurch ist es sehr eingängig. Schon bald können die Kinder auswendig mitlesen... Es gibt auch noch eine Fortsetzung: "Das Grüffelo-Kind". Und einen sehr schön gemachten Animationsfilm! 

"Der kleine Hase feiert Weihnachten" von Harry Horse

Sehr schönes Bilderbuch vom kleinen Hasen. Es geht ums Vorfreude, Teilen und Freunde haben. Und um Weihnachten!

 

wieso? weshalb? warum? - Reihe von Ravensburger

Das ist eine Sachbuchreihe für Kinder ab zwei Jahren mit Klapp-Bilderbüchern zu vielen verschiedenen Themen. Sie sind sehr ansprechend gestaltet. Meine Kinder wissen heute noch, dass der Frühling da ist, wenn zehn Gänseblümchen unter einen Fuß passen...

Es gibt noch viele andere sehr schöne Kinderbücher. Was wir gelesen haben, ist schon ein paar Jahre alt und heute gibt es auch viele neue schöne Bücher. Wer es gerne musikalisch mag, dem seien die "Ritter Rost" - Bücher empfohlen. Wer Bücher zu den Themen Freundschaft, Umgang miteinander, gut streiten, sucht, dem kann ich die "Rabe Socke" - Bücher empfehlen. Heiß geliebt und bestimmt schon 25 Jahre alt sind die Peterson & Findus-Bücher... Die werden auch sehr gerne von Erwachsenen vorgelesen. 

Die Kinderbuchklassiker wie "Michel aus Lönneberga" oder "Lotta" von Astrid Lindgren sind immer noch wunderschön. Und es gibt bestimmt schon wieder viele gelungene neue Bilderbücher.

Wir haben Vorlesen zum Abendritual gemacht und über viele Jahre hinweg fast jeden Abend gelesen. Sehr spannende Bücher lesen wir dem 10jährigen immer noch vor... (derzeit liest mein Mann ihm die  Eragon-Saga  von Christopher Paolini vor... eigentlich eher was für Ältere...) 

Viel Freude beim Lesen!





21 Juni 2021

Die Pandemie und Kumulation anstrengender Umstände.

 In Gesprächen mit Freunden und Freundinnen erfahre ich, wie anstrengend diese Pandemie für sie ist. Eine Klassenlehrerin berichtete mir von sehr kurzen Ferien und ständig neuen Anforderungen aus dem Ministerium. Eltern mit Kita Kindern, die viele Monate zu Hause waren, haben eine super anstrengende Zeit hinter sich. Ich weiß noch sehr gut, wie froh ich manchmal war, wenn die Kita nach den Ferien wieder startete.

 Ich höre es. Ich spüre es. Jeder hat etwas, das er vermisst und wo der Verzicht richtig schwer fällt. 

Bei mir, das merke ich, ist es das ungezwungene Zusammensein. Die Umarmung. Das Gespräch mit jemanden außerhalb der Familie und dem Arbeitssetting. Schwimmen gehen. Und vieles andere mehr. 

Ich merke aber, dass das alles nur ein Teil der Lasten ist, die ich derzeit trage. 

Mein Mann hat im November vor Corona (also vor knapp 1,5 Jahren) eine Stelle angenommen, die 300km von hier entfernt ist. 

Seitdem bin ich unter der Woche alleinerziehend. Und das in der Pandemie. Bis vor kurzem habe ich auch noch gearbeitet. Zwar "nur" 20-30h/Woche. Nicht im Homeoffice. Geht so schlecht als Ärztin.
Ich habe jetzt also seit 18 Monaten das ganze Familiending größtenteils alleine geschaukelt:


Erziehung: Diskussionen ums Tablet und um Medienzeit, Hausaufgaben anleiten und abfotografieren, Überblick behalten, nachfragen, ob alles gemacht wurde, mit Teenagern klar kommen, die seit Weihnachten 2020 schwer zu irgendwas zu motivieren sind, sich oft nicht in die Karten schauen lassen und ganze Tage im Bett verbringen - mit und ohne Handy. Streit unter den aufeinander hockenden Geschwistern schlichten. Zur Mithilfe im Haushalt motivieren. Versuchen, Werte zu vermitteln. Alleine Vorbild sein (was nicht so gut klappt). Balance zwischen Selbständigkeit und Unterstützung, auch mit Leitplanken und Zeitschienen - da kann ich Euch schon mal sagen, dass dieser Punkt eher schlecht geklappt hat. Verantwortung für die Familienatmosphäre übernehmen, und zwar die ganze Zeit, ganz alleine. Das hat natürlich auch nicht so gut geklappt. 

Haushalt: Dafür sorgen, dass für diese hungrigen drei Kinder immer genug zu essen da ist, und zwar insbesondere die erwünschten Lebensmittel - je nach Kind Zitronensorbet oder Schokoladeneis, Salami und Butterkäse sowie Toast. Mit diesen fünf Lebensmitteln in größerer Menge könnten meine Kinder autark eine ganze Weile überleben.

Wäsche. Putzen. (und dafür habe ich dankenswerterweise Unterstützung!) Aufräumen. Neue Anziehsachen und Schuhe besorgen. Wochen Essensplan, diesen dann über den Haufen schmeißen, weil man irgendeine wesentliche Zutat doch nicht gekriegt hat. 

Orga: Schulbücher und -Materialien besorgen, Druckertinte und Papier besorgen, Devices besorgen, Devices einrichten für die ganzen Online meetings, Logineo/Moodle, etc. Ggf. organisieren, dass die beiden Streithähne nicht zu zweit alleine zu Hause sind. Hausaufgaben Hilfe organisieren, Geld parat haben. 

Bewegung und Begegnung: mit dem Jüngsten Fußball spielen, alle motivieren, regelmäßig rauszugehen und sich (zeitweise nur draußen) mit FreundInnen zu treffen. Hat mäßig funktioniert. 

... und noch tausend Sachen mehr. 

Dazu sind wir alle paar Wochen zu meinem Mann gefahren. Dann muss gepackt werden, ggf. getankt, ggf. Schulsachen eingepackt werden. Viele Wochenenden war er jedoch auch hier bei uns, was aber auch nicht ohne war: anderer Rhythmus, andere Erwartungen, dann muss das WE besonders schön sein etc. Sauanstrengend. Nicht zu empfehlen.

Seit einiger Zeit wissen wir, dass wir umziehen. Also kam zu dem Ganzen noch oben drauf : 

Wohnungen suchen (online), Termine für Wohnungsbesichtigungen vereinbaren, Umzugsunternehmen organisieren,  Fahrten da hin organisieren.

Alles durchsortieren und mit und ohne Kinder ausmisten. Sachen im Internet einstellen, verkaufen, verschicken,....

Kinder emotional begleiten durch diesen Prozess des Abschiednehmens. Aushalten, wenn sie lange schlechte Laune haben. Versuchen, dies alles nicht aus dem Blick zu verlieren zwischen den Anforderungen der Schule, meiner Arbeit und den Umzugsvorbereitungen.

Der Knaller steht mir noch bevor: den Umzug möglichst reibungslos organisieren. 

Aber ich sag´s Euch: da hab ich mir eine Coachin angelacht. Könnt ihr mich ruhig für auslachen. Das war übrigens eine extrem gute Entscheidung! Ihr glaubt nicht, was mir das schon an Nerven gespart hat. 

Nachdem ich den Eintrag bis hierhin geschrieben hatte, hab ichs erst mal liegen gelassen, denn ich hatte das Gefühl, ich jammere herum. Gerade habe ich alles noch einmal durchgelesen. Fazit: Nee. Das ist kein Gejammere. Das ist der Wahnsinn. Auch wenn einiges nicht so gut geklappt hat, kann ich mir für dieses Arbeitspensum mal zwischendrin auf die Schulter klopfen. Tut das gut! 

Also auch an euch. Klopft euch auf die Schulter. Und holt euch Hilfe, wenn das nötig ist. Und lasst eure Männer nicht 300km weit weg ziehen. Ist wirklich eine ganz dooofe Idee. 

08 Mai 2021

Spielsachen für Kinder: Was lohnt sich?

 Es steht nach 13 Jahren wieder ein Umzug an. Zwischen Einzug mit einem Kind und Auszug mit drei Kindern hat sich einiges angesammelt. Obwohl ich die Kinderkleidung immer mal wieder aussortiert habe: Kinderspielsachen und Kinderbücher wurden ja immer noch fürs nächste Kind gebraucht... das heißt, wir haben einen Großteil noch hier und müssen jetzt auss
ortieren, denn ich möchte nichts mitnehmen, was die Kinder nicht mehr interessiert.

Also ein idealer Zeitpunkt, um rückblickend zu schauen: was waren tolle Anschaffungen, die die Kinder geliebt haben und viel und lange damit gespielt haben? Was hätten wir uns sparen können? Und was hätten wir mal besser früher angeschafft?

Spielzeug für Mädchen. Spielzeug für Jungs. Oder?

Unsere ersten beiden Kinder sind Mädchen, unser drittes ein Junge. Obwohl wir nicht so sehr auf Mädchen-/ oder Jungenspielsachen geschaut haben, war es trotzdem so, dass wir einige Spielsachen "erst" beim Jungen angeschafft haben. Manches haben wir auch einfach "spät" geerbt von Freunden und Verwandten.
Eins meiner Mädchen hat später mal gesagt: "Damit hätte ich auch total gerne gespielt! Warum habt ihr das nicht früher angeschafft?"  --- Bitte macht diesen Fehler nicht und bringt eure Mädchen nicht um diese Erfahrung. Und auch Jungs spielen total gerne mit einer Spielküche oder mit Puppen!

Zu den Spielsachen, die wir erst spät angeschafft haben und die die Mädchen vermisst haben, gehörte insbesondere Spielzeug zum kreativen Bauen, also

- Murmelbahn von Haba plus gaaaanz viele Bausteine
- Lego (die Mädels haben fast nur mit Playmo gespielt)
- Kappla Bausteine

Darüber hinaus haben sich alle drei Kinder gerne mit der Holzeisenbahn und mit Playmobil beschäftigt und immer wieder richtige kleine "Welten" aufgebaut. Diese Spielsachen lohnen sich meiner Meinung nach wirklich. Also es sei denn, Eure Kinder sind nicht so die Bau- und Kreativfans, aber ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass es solche Kinder gibt. Wir haben vieles gebraucht gekauft oder von Freunden und Verwandten geschenkt bekommen. Fast jeder, der Kinder hat, hat irgendwann Dinge über...!
Murmelbahn, Lego und Kappla dürfen auch mit ins neue Zuhause. 

Gesellschaftsspiele

Wir haben ziemlich viele Brettspiele, Kartenspiele und ähnliches geschenkt bekommen oder selbst angeschafft. Wir sind ehrlicherweise nicht gerade die "Exzessiv-Brettspiel-Familie". Deswegen ist manches auch im Schrank verstaubt.
Hier eine kleine Auswahl, was wir gerne zusammen gespielt haben:

Im KiGa Alter:

"Obstgarten" von Haba.
Eins der ersten Spiele, das man mit kleinen Kindern spielen kann, und es ist wirklich sehr schön, einfach und wurde hier gern ausgepackt.

"Diego Drachenzahn" von Haba.
Ein Geschicklichkeitsspiel mit Murmeln, was vor allem unserem Jüngsten viel Spaß machte. 

"Husch, husch, kleine Hexe" von Zoch - ein Merkspiel für KiGa Kinder

"Uno": die Kinderversion mit Tieren, seeeehr beliebt.

Für Schulkinder:

"Carcassonne" - ein Anlegespiel, man baut Städte und Straßen. Es gibt viele Erweiterungen.

"Mogel Motte" von "drei Magier" - Kartenspiel mit Mogeln, sehr lustig.

"Das verrückte Labyrinth" von Ravensburger

"Die Siedler von Catan" von Kosmos - ab 10 Jahren interessant, auch für Erwachsene. Strategiespiel.

"Scotland Yard" gefällt meinem Sohn so gut, dass er jetzt unbedingt mal nach London möchte. 

In einigen Stadtbüchereien kann man auch Spiele ausleihen. Das ist ein guter Weg, um herauszufinden, ob es was für Euch ist oder nicht so sehr. 

Andere Spiele...:

"Wikingerschach" - Ein Wurfspiel für draußen, für große Familien oder Gruppen

"Shuffle board" - bei den Schwiegereltern entdeckt...taugt super zum verletzungsfreien Dampfablassen.

"Kicker" - wir haben dieses Jahr zu Weihnachten einen kleinen Tischkicker für 35 EUR gekauft. Den musste mein Mann zwar verbessern (vernünftige Metallstäbe; mit Schraubzwingen auf sideboard befestigen). Aber seitdem ist er sehr beliebt! Unsere Mittlere schlägt den Jüngsten beim Kicker. Mich zieht er immer ab. Mein Mann und ich liefern uns auch öfters ein Match. Auch eins der Dinge, die wir früher anschaffen hätten sollen... und das wir uns ohne den Jungen wahrscheinlich auch nicht angeschafft hätten....Mädchen-Eltern! Schafft Euch nen Kicker an! Das übt die Hand-Auge-Koordination!

 Ausblick

So. Das ist eine kleine Auswahl, was bei uns an Spielsachen gut funktioniert (hat). Ich hoffe, Ihr findet was dabei für Euch und fühlt Euch bereichert. Gibt es Spiele, die bei Euch gut ankommen? Schreibt gerne in die Kommentare.

Ich mache demächst noch einen Post zu Kinderbüchern. Ein Herzensanliegen von mir. Auch zum Thema "Spiele fürs Tablet" schreibe ich noch einen kleinen Text, auch wenn meine Erfahrungen im Bereich elektronische Medien sehr überschaubar ist ...


 

 







12 April 2021

Von den Stoffies zu den Stoffies... zur Mooncup

 Vor vielen Jahren habe ich von meinem Stoffwindel-Experiment berichtet. Ich habe meine mittlere Tochter tatsächlich ungefähr 1,5 Jahre mit Stoff gewickelt. Mein jüngstes Kind kam mit Stoffies nicht gut zurecht, so dass ich dann nur noch teilweise "umweltfreundlich" gewickelt habe. 

Wenn man in der Stoffwindel-Szene drin ist, kommt man früher oder später mit Stoffbinden in Berührung. Ich war so mutig und habe es ausprobiert. Weil ich immer gleich "alles oder nichts" will, habe ich zeitgleich auch meine erste Menstruationstasse gekauft. Das hat dann teilweise nicht so gut funktioniert. Um genau zu sein, hat es Jahre gedauert, bis ich nun einen sehr zufriedenstellenden Modus gefunden habe. Meine ersten beiden Tassen saßen irgendwie nie richtig, so dass ich es zeitweise wieder völlig eingestellt hatte. Stoffbinden funktionieren bei mir gut nachts und wenn ich zu Hause bin. Da ich an wenigen Tagen eher starke Blutungen habe, bin ich zeitweise wieder auf Tampons und Wegwerfbinden umgestiegen, vor allem während der Arbeitszeiten. 

Vor einiger Zeit habe ich dann Mut gefasst und habe mir in einer Drogerie nochmal eine Menstruations-tasse gekauft. Und siehe da: diese funktionierte deutlich besser. Seitdem benutze ich nur noch außer Haus Wegwerfbinden, in Kombination mit der Tasse. Klappt meistens. Wichtig sind Toiletten mit Waschbecken in der Kabine. Diese sind nicht immer vorhanden. Zur Not hilft eine Flasche Wasser... Aber: die Tasse hält bei mir deutlich länger als die Tampons. Also... Alles kein Problem!

Ich kann nur dazu ermutigen, nochmals eine andere Tasse auszuprobieren, wenn man unzufrieden ist. Bei mir war die günstigere Cup dann die bessere. :-)

 Eigentlich mache ich ja nicht so gerne Werbung. Aber... diese Binden und Menstruationstassen kann ich sehr empfehlen:

- Maijat Nachtbinden (mit Bambus, super dünn)
- alles von yurtcraft auf etsy
(beste Binden ever, schön, sehr langlebig, ohne PUL, dafür mit Fleece, aber: aus USA...)
- SERENA Cup (günstig, angenehm zu tragen, kein Stiel, sondern ein kleiner Ring zum Rausnehmen)
- Lunette Cup (teurer, festeres Material als Serena, für den Anfang besser, weil sie gut aufploppt)

 So weit, so gut....

Seid mutig, Mädels, und probiert es aus. Ob Stoffbinden, Cups oder ... für Eure Kinder: Stoffwindeln. ;-)

 

Kurz zur Pflege: Ich sammle die Stoffbinden in einem Wetbag und gebe sie dann zunächst in den "Spülen & Schleudern"-Gang in die WaMa. Anschließend werden sie mit dunkler 40° Wäsche und ab und zu mit 60° Wäsche mitgewaschen. (Der Fleece kann hohe Temperaturen nicht so gut ab). Ich benutze ganz normales Colorwaschmittel. Auf den meisten Seiten zu Stoffbinden und Stoffwindeln wird dazu geraten, ökologisches Waschmittel zu verwenden. Bei den Stoffwindeln habe ich das teilweise so gemacht. Insgesamt ist meine Erfahrung aber die: je komplizierter es wird, desto weniger setzt man um. Es wäre mir schlicht zu viel Aufwand für die wenigen Stoffbinden anderes Waschmittel zu besorgen und sie gar extra zu waschen.... also lass ich es...

 



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02 April 2021

Unser Chaos-Garten und warum ich ihn trotzdem liebe

 Unser Garten war nie besonders "schön" im Sinne von eine Augenweide, sehr schön anzusehen, ordentlich, ein Blühparadies.

Eher so: rundum viele Büsche, die ich im Herbst versuchte etwas einzuhegen. Ein alter Baum, der jedes Jahr mehr von Efeu überwuchert wurde. In den Beeten Bambus, den vorherige Bewohner angepflanzt hatten, und dem letztlich nicht beizukommen war. Außer vielleicht mit einem Bagger und einer kompletten "Sanierung". Auf der Terrasse ein wunderschöner, auch schon ziemlich alter Rosenbusch, den ich auch jedes Jahr versuche einzuhegen, mit inzwischen mäßigem Erfolg. 

Zwischen alldem wuchern immer mal wieder wilde Brombeerranken (Achtung, Dornen!) und Hollerbüsche, beides rupfe ich jedes Jahr immer wieder raus, nur, damit sie im nächsten Eck schon wieder wuchern...

Ein uralter Pool, den wir zeitweise nutzen, im Moment aber nicht, und so richtig sauber war das Wasser da trotz all unserer Bemühungen mit Pumpe und Chemie meist nur kurz nach Neubefüllung. Da es nur eine Schwimmabdeckung gibt, regnet´s da auch immer rein. Als wir hier eingezogen sind, lebten im Pool Stechmücken und Amphibien. :-)

Am hinteren Ende wächst schon viele Jahre eine Kirschlorbeer-Hecke, die inzwischen wie eine ca. 2m breite Mauer zum Nachbarn steht. Sie muss jedes Jahr geschnitten werden, was mein Mann macht. Es ist immer ziemlich viel Arbeit.

Ein inzwischen sehr hoher Gingko-Baum. Wir haben ihn nie beschnitten, hätten wir wohl tun sollen...

 Auf der Terrasse ein kleines Erdbeer-Beet, habe ich letztes Jahr angelegt. Und Kräuter, zwischen dem Bambus: Bohnenkraut (prima Bodendecker, wuchert prima), Thymian, Salbei, der im Frühling wunderschön blüht.

Ein Kompromiss-Garten, denn meine Zeit ist begrenzt. Was wir nicht haben: Steinwüste. 

Die Nachbarn mögen unseren Garten nicht besonders. Ist einfach zu ungepflegt, zu wild. So viel Brennessel hinten unter dem Kirschlorbeer! Äste, die zum Nachbarn rüber ragen! Und überhaupt. 

Die Gärten der Nachbarn haben im Prinzip keine Hecken mehr. Vereinzelt mal ne kleine, niedrige Hecke. Vereinzelt mal ein Obstbaum. Ansonsten Rasen, Steinplatten, Pools, noch mehr Rasen. Ein paar Blümchen am Rand. That´s it. 

Eine Nachbarin hat einen großen, schönen Gemüsegarten und viele, viele Blumen. Ihr Vorgarten ist eindeutig der schönste. Aber auch dieser wurde von den Kindern (sie ist über 80 Jahre) schon zugepflastert, so dass die zu bearbeitende Fläche deutlich kleiner geworden ist. 

Wir wohnen in einer Stadt, in der auch ein großer Pflanzenschutzhersteller ansässig ist. Da viele Menschen dort arbeiten oder wen kennen, der dort arbeitet, wird hier auch viel gespritzt. Nur unsere Nachbarin und wir halten uns da zurück...

 Bald werden wir wieder einmal umziehen. Nach fast 13 Jahren hier... Da das Haus nur gemietet ist und der neue Hausverwalter den Garten schon immer schrecklich fand, ahne ich, was passiert, wenn wir hier ausziehen. Bagger werden anrücken.

Was wir auch haben in diesem wilden Garten und warum ich ihn deswegen sehr liebe und sehr vermissen werde:

Auf dem Gingko-Baum sitzen im Frühjahr die Vögel: Sehr gerne die Elstern, Amseln und Tauben. Wenn ich im Bett liege im 1. Stock, können sie zu mir reinschauen. Im Efeu-Baum nistet jedes Jahr ein Ringeltauben-Pärchen. Als sie das erste Mal kamen, dachte ich: oh nein, verjagen!! Ist mir zum einen nicht gelungen. Zum anderen ist es auch gar nicht so schlimm. Eigentlich bemerke ich die beiden kaum. Manchmal haben sie Gurr-Stunde, dann höre ich sie schon früh im Bett. Es ist übrigens nicht alles voller Taubendreck. 

In den Hecken nisten jedes Jahr mehrere Vögel: Meisen, Spatzen, Amseln. Im Frühjahr üben sie fliegen, von einem Strauch zum andern, und über den Pool von einer Gartenseite zur andern. Zu Fressen finden sie, glaube ich, reichlich: Wilde Brombeeren. Hollerbeeren. Beeren vom Kirschlorbeer. Hagebutten von den Rosen (weil ich die nie alle abgeschnitten bekomme). Selbst früh im Jahr gibts noch Reste vom letzten Jahr. Schnecken, Regenwürmer und sonstiges Getier gibt es hier auch. Im Unterholz liegen teilweise alte abgesägte Äste, schön aufgeschichtet. Laub kehre ich zwar im Herbst zusammen, aber ich tue nur einen Teil in die Biotonne. Der Rest kommt unter die Büsche. Für den Igel, der schon seit einigen Jahren hier lebt. Im Sommer hören wir ihn manchmal hinter uns auf der Terrase schnaufen und stampfen und rascheln. Einmal ist er in den Pool gefallen. Zum Glück waren wir gerade draußen, und mein Sohn hat ihn bemerkt! Es war gar nicht so einfach, das ziemlich schwere Prachtexemplar von Igel aus dem Wasser raus zu fischen. Ich habe ihn in den Busch gesetzt und ihm Rührei gebracht. Bald war er wieder verschwunden. Wo genau er lebt, wissen wir nicht. Wahrscheinlich hinten unter dem Kirschlorbeer. Einmal haben wir an der größten Erdbeere im Beet Bissspuren gefunden, die eindeutig nicht von einer Maus oder einem Vogel stammten. Auch an unseren Tomaten, die wir zeitweise auf der Terrasse ziehen, hat er sich schon gütlich getan.
Spitzmäuse haben wir auch im Garten. Leider sind Mäuse noch weitaus dümmer als Igel. Deswegen fischen wir häufiger tote Mäuse aus dem Pool. Manchmal stolpern wir über ein kleines Loch im Boden: Aha. Da waren sie wieder. 
Manchmal wohnen im nächsten Jahr im gleichen Loch keine Mäuse mehr, sondern Erdhummeln oder Wespen. Besonders dann, wenn das Loch ein wenig versteckt unter einem Busch oder unter Efeu und Laub liegt. Ich könnte stundenlang zusehen, wie die kleinen Insekten rein und raus fliegen.
Irgendwo wohnen wahrscheinlich auch Wildbienen. Ich schneide die langen,trockenen und hohlen Stängel von den Lilien im Herbst ab und häufle sie unter einem Busch auf. Vielleicht leben dort ein paar von ihnen. 
Wenn im Frühling der Salbei blüht, kann man den Hummeln und Bienen beim Nektar sammeln zusehen. Das ist herrlich. Und nebenbei bestäuben sie unsere Tomaten- und Erdbeerpflanzen. 

Ich werde diesen Garten sehr vermissen. Die Vögel, die vielen Insekten, den Igel. Das wilde Durcheinander. Dass der Garten so "eingewachsen" ist. Ja, das wird mir fehlen. 

Ich hoffe einfach, dass der Garten weitgehend so erhalten bleibt. Er ist ein Kleinod und eine Insel für viele Tiere zwischen all diesen glatt gebügelten Gärten rechts und links. (Wobei: links ist ja der schöne Gemüsegarten). Den Bambus kann man vielleicht wirklich mal abgraben. Aber dann muss man wahrscheinlich den Rosenstrauch mit platt machen. Die Terrasse ist noch aus den 60ern, ich hatte zeitweise die Befürchtung, die darunter lebenden Ameisen könnten die Steine nach und nach wegtragen... Auch sie gehört mal neu gemacht. Aber den Rest... lasst ihn einfach so wie er ist. Der Efeu-Baum wird nach und nach sterben. Im Januar, als es so viel geschneit hat, und noch dazu schwerer, nasser Schnee auf den Bäumen lag, brach ein großer Ast ab. Klar, das ist auch nicht ganz ungefährlich. Sollte man nicht grad drunter stehen. Aber so macht die Natur es eben. So haben noch ganz lange sehr viele Tiere, Pflanzen und Mikroben etwas von dem Baum. 


Das ist Elsa, die Elster. Sie hatte einen lahmen Flügel und kam einige Wochen lang zu uns gehopst und holte sich Nüsse ab. Sie war sehr zutraulich.


03 Juli 2020

Ein Jahr Bullet Journal

Ich weiß ja nicht, wie ihr Euer Familienleben so organisatorisch hinbekommt. Ich bin seit einem dreiviertel Jahr unter der Woche quasi alleinerziehend, da mein Mann eine Stelle weit weg angenommen hat. Genau rechtzeitig, nämlich in den letzten Sommerferien, hat mir meine beste Freundin ihr Bullet Journal gezeigt. Sie ist eine Ästhetin. Ihr BuJo ist voller schöner Bildchen, Washi Tape und Stickern. Aber sie ist auch eine wirklich toughe Frau, die sich schon von Berufs wegen mit Organisation von Organisationen beschäftigt... Sie hat mir das grobe Prinzip erklärt. Ich habe noch im Urlaub in einer einfachen französischen Kladde angefangen und habe mir zuhause ein "richtiges" Bullet Journal gekauft. Seitdem nutze ich es.


Was ist ein Bullet Journal für mich?


Es ist im Prinzip ein self made calendar, Notizbuch, Ideenspeicher, Zukunftsplaner, ToDo Liste(n), Hilfe, um wichtige Dinge nicht aus dem Auge zu verlieren. Es muss nicht so hübsch sein. Bei mir ist es meist schwarz auf weiß. Mit wenig Bildchen, ich kann nämlich wirklich nicht malen. Dafür hat mein Mann mir netterweise ein paar Schablonen geschenkt, die ich gelegentlich zur Verzierung verwende.
Im Internet gibt es tausend und eine Ideen, was man mit diesem Notizbuch so anstellen kann. Aber eigentlich ist es ganz simpel.
Der Erfinder des ganzen ist Ryder Carrol.
Er hat es eigentlich nur für sich selbst entworfen, um besser in einer sich immer schneller drehenden Welt klarzukommen. Und um seine vielen Gedanken und Ideen, alles, was er irgendwann mal umsetzten möchte und all die wichtigen Informationen festzuhalten.

Also für mich ist es zum Beispiel super lästig, das Rezept fürs Sauerteigbrot immer wieder im Internet aufzurufen, durchzuscrollen zu den wesentlichen Infos etc. Steht jetzt im Bullet Journal. Da das BuJo Seitenzahlen und einen Index hat, finde ich das Rp. ruck zuck wieder
Oder diese ewigen Packlisten. Stehen im BuJo.
Oder welches Kind welche Gemüsesorten mag und welche nicht. Hilft ihnen aber trotzdem nicht viel, weil meistens irgendwas im Essen ist, was irgendwer nicht mag. 😀

Ich habe auch eine "Irgendwann möchte ich mal... "-Liste. Diese Liste hat mir enorm geholfen, Dinge loszulassen und auf einzelne Projekte zu fokussieren. Diese Projekte sind zwar immer noch nur teilweise umgesetzt. Aber ... sonst wären alle 20 Projekte weiter in meinem Hirn und würden Energie fressen. Neben den täglichen ToDo Listen ist für mich der größte Gewinn das "Kopf-frei-bekommen". Und wenn ich eine Sache fast 12 Monate durchhalte... dann... ist es eine wirklich gute Sache.
Ich schreibe auch Vortragsprojekte ins BuJo. Und Fortbildungsinhalte. Ich bin dazu übergegangen, alles, was mir wichtig erscheint, da rein zu schreiben. Warum? Weil ich es da auch wiederfinde.

09 August 2019

Sommer, Hitze, Großeinkauf per Rad.

Ich weiß ja nicht, wie da bei Euch ist. Bei uns bedeutet Sommer insbesondere für mich: wenig Schlaf. Wir haben eine Teenagerin hier , die immer öfter abends bis 23h unterwegs ist, z.B. in der Gemeindejugend. Und wir haben einen 7jährigen Frühaufsteher. Der ist auch um 7 schon wach... Die präpubertäre fast 11jährige ist auch öfters mal noch früh auf. Dazu kommt der Schlafmangel, den die Hitze verschuldet...

Im Moment ist es ja quasi täglich sehr warm, sonnig und trocken. Da gibt es dann keine Ausreden mehr, wenn es um den Einkauf mit dem Fahrrad geht. In letzter Zeit habe ich ein paar Versuche gestartet, auch unseren Großeinkauf (für 5 Personen!) mit dem Fahrrad zu erledigen.

Wie das funktionieren kann?

Wir besitzen ein besonderes Tandem, ein Liege-Sitz-Tandem von der Fa. Haase. Die neuen Modelle sehen so aus:

Haasebikes

Es war meiner Meinung nach mit die beste Anschaffung, die wir in den letzten Jahren gemacht haben. Als wir noch keine Kinder hatten, haben wir das Tandem mal Probe gefahren und waren damals schon begeistert. Nur halt nicht vom Preis. Und überhaupt, nutzen wir so ein Tandem oft genug?
Jahre später, als alle drei Kinder schon da waren, wollten wir gerne endlich mal wieder eine große Radtour machen. Der Jüngste mit 1,5Jahren sollte in den Fahrradanhänger. Die "große" 7jährige sollte selbst radeln, ihr trauten wir 15-20km am Tag zu.
Unsere Mittlere, 5 Jahre alt, hätte längere Strecken nicht geschafft. Wir überlegten hin und her. Für das Pino gibt es ein Kindertretlager, das man vorne einsetzten kann, sodass auch Menschen mit kurzen Beinen mittreten können. Mit viel Glück fanden wir ein gebrauchtes Pino und kauften es schließlich. Hätten wir das bloß mal früher gemacht!

Inzwischen war das Pino schon sehr viel im Einsatz: als Kinder(garten)-Taxi. Bei einer Radtour zu zweit an der Nordsee. Für Hol- und Bringfahrten jeglicher Art.
Aber einen Großeinkauf hatte ich noch nicht gemacht.

Mein Mann hat mir dann ganz einfach mit ein paar Expandern eine Faltkiste vorne drauf befestigt. Und los ging´s.



Für einen Großeinkauf (ohne Getränke) reicht uns die Faltkiste und 1-2 große Fahrradtaschen. Da geht wirklich viel rein...

Richtig gut funktioniert das Ganze, wenn es einen Fahrradparkplatz direkt vor dem Supermarkt gibt und dieser Supermarkt nicht im Industriegebiet weit ab vom Schuss liegt. Zum Glück haben wir so etwas in unserem Stadtteil.


Ich denke, wenn mehr Leute mit dem Rad fahren, braucht es auch mehr solcher Infrastruktur. Zunehmender Radverkehr  führt vielleicht langfristig auch zu einer Wiederbelebung der Innenstadt.
Aber das muss man auch wollen. Für mich dauert es nicht länger, mit dem Rad zu fahren als mit dem Auto. Ich bin sogar schneller, weil ich nicht mehr an den Stadtrand fahre. Mein Supermarkt hat auch seit kurzem viele Bioprodukte im Programm, das hat mir die Entscheidung leicht gemacht.

Ich schaffe es nicht, immer nur Bioprodukte zu kaufen. Zum einen ist es mir zu aufwändig, mehrere verschiedene Geschäfte anzufahren. Zum anderen ist es mir teilweise auch zu teuer.
Wir haben zum Glück auch noch einen Bauernladen  in unmittelbarer Nähe, wo wir frische Eier und Obst und Gemüse, meist aus der Region, kaufen können. Die Eier kommen vom ca. 500m (!)  entfernten Stall.

So wie es jetzt ist, haben wir einen recht umweltverträglichen Kompromiss gefunden. Finde ich.