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21 Juni 2021

Die Pandemie und Kumulation anstrengender Umstände.

 In Gesprächen mit Freunden und Freundinnen erfahre ich, wie anstrengend diese Pandemie für sie ist. Eine Klassenlehrerin berichtete mir von sehr kurzen Ferien und ständig neuen Anforderungen aus dem Ministerium. Eltern mit Kita Kindern, die viele Monate zu Hause waren, haben eine super anstrengende Zeit hinter sich. Ich weiß noch sehr gut, wie froh ich manchmal war, wenn die Kita nach den Ferien wieder startete.

 Ich höre es. Ich spüre es. Jeder hat etwas, das er vermisst und wo der Verzicht richtig schwer fällt. 

Bei mir, das merke ich, ist es das ungezwungene Zusammensein. Die Umarmung. Das Gespräch mit jemanden außerhalb der Familie und dem Arbeitssetting. Schwimmen gehen. Und vieles andere mehr. 

Ich merke aber, dass das alles nur ein Teil der Lasten ist, die ich derzeit trage. 

Mein Mann hat im November vor Corona (also vor knapp 1,5 Jahren) eine Stelle angenommen, die 300km von hier entfernt ist. 

Seitdem bin ich unter der Woche alleinerziehend. Und das in der Pandemie. Bis vor kurzem habe ich auch noch gearbeitet. Zwar "nur" 20-30h/Woche. Nicht im Homeoffice. Geht so schlecht als Ärztin.
Ich habe jetzt also seit 18 Monaten das ganze Familiending größtenteils alleine geschaukelt:


Erziehung: Diskussionen ums Tablet und um Medienzeit, Hausaufgaben anleiten und abfotografieren, Überblick behalten, nachfragen, ob alles gemacht wurde, mit Teenagern klar kommen, die seit Weihnachten 2020 schwer zu irgendwas zu motivieren sind, sich oft nicht in die Karten schauen lassen und ganze Tage im Bett verbringen - mit und ohne Handy. Streit unter den aufeinander hockenden Geschwistern schlichten. Zur Mithilfe im Haushalt motivieren. Versuchen, Werte zu vermitteln. Alleine Vorbild sein (was nicht so gut klappt). Balance zwischen Selbständigkeit und Unterstützung, auch mit Leitplanken und Zeitschienen - da kann ich Euch schon mal sagen, dass dieser Punkt eher schlecht geklappt hat. Verantwortung für die Familienatmosphäre übernehmen, und zwar die ganze Zeit, ganz alleine. Das hat natürlich auch nicht so gut geklappt. 

Haushalt: Dafür sorgen, dass für diese hungrigen drei Kinder immer genug zu essen da ist, und zwar insbesondere die erwünschten Lebensmittel - je nach Kind Zitronensorbet oder Schokoladeneis, Salami und Butterkäse sowie Toast. Mit diesen fünf Lebensmitteln in größerer Menge könnten meine Kinder autark eine ganze Weile überleben.

Wäsche. Putzen. (und dafür habe ich dankenswerterweise Unterstützung!) Aufräumen. Neue Anziehsachen und Schuhe besorgen. Wochen Essensplan, diesen dann über den Haufen schmeißen, weil man irgendeine wesentliche Zutat doch nicht gekriegt hat. 

Orga: Schulbücher und -Materialien besorgen, Druckertinte und Papier besorgen, Devices besorgen, Devices einrichten für die ganzen Online meetings, Logineo/Moodle, etc. Ggf. organisieren, dass die beiden Streithähne nicht zu zweit alleine zu Hause sind. Hausaufgaben Hilfe organisieren, Geld parat haben. 

Bewegung und Begegnung: mit dem Jüngsten Fußball spielen, alle motivieren, regelmäßig rauszugehen und sich (zeitweise nur draußen) mit FreundInnen zu treffen. Hat mäßig funktioniert. 

... und noch tausend Sachen mehr. 

Dazu sind wir alle paar Wochen zu meinem Mann gefahren. Dann muss gepackt werden, ggf. getankt, ggf. Schulsachen eingepackt werden. Viele Wochenenden war er jedoch auch hier bei uns, was aber auch nicht ohne war: anderer Rhythmus, andere Erwartungen, dann muss das WE besonders schön sein etc. Sauanstrengend. Nicht zu empfehlen.

Seit einiger Zeit wissen wir, dass wir umziehen. Also kam zu dem Ganzen noch oben drauf : 

Wohnungen suchen (online), Termine für Wohnungsbesichtigungen vereinbaren, Umzugsunternehmen organisieren,  Fahrten da hin organisieren.

Alles durchsortieren und mit und ohne Kinder ausmisten. Sachen im Internet einstellen, verkaufen, verschicken,....

Kinder emotional begleiten durch diesen Prozess des Abschiednehmens. Aushalten, wenn sie lange schlechte Laune haben. Versuchen, dies alles nicht aus dem Blick zu verlieren zwischen den Anforderungen der Schule, meiner Arbeit und den Umzugsvorbereitungen.

Der Knaller steht mir noch bevor: den Umzug möglichst reibungslos organisieren. 

Aber ich sag´s Euch: da hab ich mir eine Coachin angelacht. Könnt ihr mich ruhig für auslachen. Das war übrigens eine extrem gute Entscheidung! Ihr glaubt nicht, was mir das schon an Nerven gespart hat. 

Nachdem ich den Eintrag bis hierhin geschrieben hatte, hab ichs erst mal liegen gelassen, denn ich hatte das Gefühl, ich jammere herum. Gerade habe ich alles noch einmal durchgelesen. Fazit: Nee. Das ist kein Gejammere. Das ist der Wahnsinn. Auch wenn einiges nicht so gut geklappt hat, kann ich mir für dieses Arbeitspensum mal zwischendrin auf die Schulter klopfen. Tut das gut! 

Also auch an euch. Klopft euch auf die Schulter. Und holt euch Hilfe, wenn das nötig ist. Und lasst eure Männer nicht 300km weit weg ziehen. Ist wirklich eine ganz dooofe Idee. 

08 Mai 2021

Spielsachen für Kinder: Was lohnt sich?

 Es steht nach 13 Jahren wieder ein Umzug an. Zwischen Einzug mit einem Kind und Auszug mit drei Kindern hat sich einiges angesammelt. Obwohl ich die Kinderkleidung immer mal wieder aussortiert habe: Kinderspielsachen und Kinderbücher wurden ja immer noch fürs nächste Kind gebraucht... das heißt, wir haben einen Großteil noch hier und müssen jetzt auss
ortieren, denn ich möchte nichts mitnehmen, was die Kinder nicht mehr interessiert.

Also ein idealer Zeitpunkt, um rückblickend zu schauen: was waren tolle Anschaffungen, die die Kinder geliebt haben und viel und lange damit gespielt haben? Was hätten wir uns sparen können? Und was hätten wir mal besser früher angeschafft?

Spielzeug für Mädchen. Spielzeug für Jungs. Oder?

Unsere ersten beiden Kinder sind Mädchen, unser drittes ein Junge. Obwohl wir nicht so sehr auf Mädchen-/ oder Jungenspielsachen geschaut haben, war es trotzdem so, dass wir einige Spielsachen "erst" beim Jungen angeschafft haben. Manches haben wir auch einfach "spät" geerbt von Freunden und Verwandten.
Eins meiner Mädchen hat später mal gesagt: "Damit hätte ich auch total gerne gespielt! Warum habt ihr das nicht früher angeschafft?"  --- Bitte macht diesen Fehler nicht und bringt eure Mädchen nicht um diese Erfahrung. Und auch Jungs spielen total gerne mit einer Spielküche oder mit Puppen!

Zu den Spielsachen, die wir erst spät angeschafft haben und die die Mädchen vermisst haben, gehörte insbesondere Spielzeug zum kreativen Bauen, also

- Murmelbahn von Haba plus gaaaanz viele Bausteine
- Lego (die Mädels haben fast nur mit Playmo gespielt)
- Kappla Bausteine

Darüber hinaus haben sich alle drei Kinder gerne mit der Holzeisenbahn und mit Playmobil beschäftigt und immer wieder richtige kleine "Welten" aufgebaut. Diese Spielsachen lohnen sich meiner Meinung nach wirklich. Also es sei denn, Eure Kinder sind nicht so die Bau- und Kreativfans, aber ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass es solche Kinder gibt. Wir haben vieles gebraucht gekauft oder von Freunden und Verwandten geschenkt bekommen. Fast jeder, der Kinder hat, hat irgendwann Dinge über...!
Murmelbahn, Lego und Kappla dürfen auch mit ins neue Zuhause. 

Gesellschaftsspiele

Wir haben ziemlich viele Brettspiele, Kartenspiele und ähnliches geschenkt bekommen oder selbst angeschafft. Wir sind ehrlicherweise nicht gerade die "Exzessiv-Brettspiel-Familie". Deswegen ist manches auch im Schrank verstaubt.
Hier eine kleine Auswahl, was wir gerne zusammen gespielt haben:

Im KiGa Alter:

"Obstgarten" von Haba.
Eins der ersten Spiele, das man mit kleinen Kindern spielen kann, und es ist wirklich sehr schön, einfach und wurde hier gern ausgepackt.

"Diego Drachenzahn" von Haba.
Ein Geschicklichkeitsspiel mit Murmeln, was vor allem unserem Jüngsten viel Spaß machte. 

"Husch, husch, kleine Hexe" von Zoch - ein Merkspiel für KiGa Kinder

"Uno": die Kinderversion mit Tieren, seeeehr beliebt.

Für Schulkinder:

"Carcassonne" - ein Anlegespiel, man baut Städte und Straßen. Es gibt viele Erweiterungen.

"Mogel Motte" von "drei Magier" - Kartenspiel mit Mogeln, sehr lustig.

"Das verrückte Labyrinth" von Ravensburger

"Die Siedler von Catan" von Kosmos - ab 10 Jahren interessant, auch für Erwachsene. Strategiespiel.

"Scotland Yard" gefällt meinem Sohn so gut, dass er jetzt unbedingt mal nach London möchte. 

In einigen Stadtbüchereien kann man auch Spiele ausleihen. Das ist ein guter Weg, um herauszufinden, ob es was für Euch ist oder nicht so sehr. 

Andere Spiele...:

"Wikingerschach" - Ein Wurfspiel für draußen, für große Familien oder Gruppen

"Shuffle board" - bei den Schwiegereltern entdeckt...taugt super zum verletzungsfreien Dampfablassen.

"Kicker" - wir haben dieses Jahr zu Weihnachten einen kleinen Tischkicker für 35 EUR gekauft. Den musste mein Mann zwar verbessern (vernünftige Metallstäbe; mit Schraubzwingen auf sideboard befestigen). Aber seitdem ist er sehr beliebt! Unsere Mittlere schlägt den Jüngsten beim Kicker. Mich zieht er immer ab. Mein Mann und ich liefern uns auch öfters ein Match. Auch eins der Dinge, die wir früher anschaffen hätten sollen... und das wir uns ohne den Jungen wahrscheinlich auch nicht angeschafft hätten....Mädchen-Eltern! Schafft Euch nen Kicker an! Das übt die Hand-Auge-Koordination!

 Ausblick

So. Das ist eine kleine Auswahl, was bei uns an Spielsachen gut funktioniert (hat). Ich hoffe, Ihr findet was dabei für Euch und fühlt Euch bereichert. Gibt es Spiele, die bei Euch gut ankommen? Schreibt gerne in die Kommentare.

Ich mache demächst noch einen Post zu Kinderbüchern. Ein Herzensanliegen von mir. Auch zum Thema "Spiele fürs Tablet" schreibe ich noch einen kleinen Text, auch wenn meine Erfahrungen im Bereich elektronische Medien sehr überschaubar ist ...


 

 







03 Juli 2020

Ein Jahr Bullet Journal

Ich weiß ja nicht, wie ihr Euer Familienleben so organisatorisch hinbekommt. Ich bin seit einem dreiviertel Jahr unter der Woche quasi alleinerziehend, da mein Mann eine Stelle weit weg angenommen hat. Genau rechtzeitig, nämlich in den letzten Sommerferien, hat mir meine beste Freundin ihr Bullet Journal gezeigt. Sie ist eine Ästhetin. Ihr BuJo ist voller schöner Bildchen, Washi Tape und Stickern. Aber sie ist auch eine wirklich toughe Frau, die sich schon von Berufs wegen mit Organisation von Organisationen beschäftigt... Sie hat mir das grobe Prinzip erklärt. Ich habe noch im Urlaub in einer einfachen französischen Kladde angefangen und habe mir zuhause ein "richtiges" Bullet Journal gekauft. Seitdem nutze ich es.


Was ist ein Bullet Journal für mich?


Es ist im Prinzip ein self made calendar, Notizbuch, Ideenspeicher, Zukunftsplaner, ToDo Liste(n), Hilfe, um wichtige Dinge nicht aus dem Auge zu verlieren. Es muss nicht so hübsch sein. Bei mir ist es meist schwarz auf weiß. Mit wenig Bildchen, ich kann nämlich wirklich nicht malen. Dafür hat mein Mann mir netterweise ein paar Schablonen geschenkt, die ich gelegentlich zur Verzierung verwende.
Im Internet gibt es tausend und eine Ideen, was man mit diesem Notizbuch so anstellen kann. Aber eigentlich ist es ganz simpel.
Der Erfinder des ganzen ist Ryder Carrol.
Er hat es eigentlich nur für sich selbst entworfen, um besser in einer sich immer schneller drehenden Welt klarzukommen. Und um seine vielen Gedanken und Ideen, alles, was er irgendwann mal umsetzten möchte und all die wichtigen Informationen festzuhalten.

Also für mich ist es zum Beispiel super lästig, das Rezept fürs Sauerteigbrot immer wieder im Internet aufzurufen, durchzuscrollen zu den wesentlichen Infos etc. Steht jetzt im Bullet Journal. Da das BuJo Seitenzahlen und einen Index hat, finde ich das Rp. ruck zuck wieder
Oder diese ewigen Packlisten. Stehen im BuJo.
Oder welches Kind welche Gemüsesorten mag und welche nicht. Hilft ihnen aber trotzdem nicht viel, weil meistens irgendwas im Essen ist, was irgendwer nicht mag. 😀

Ich habe auch eine "Irgendwann möchte ich mal... "-Liste. Diese Liste hat mir enorm geholfen, Dinge loszulassen und auf einzelne Projekte zu fokussieren. Diese Projekte sind zwar immer noch nur teilweise umgesetzt. Aber ... sonst wären alle 20 Projekte weiter in meinem Hirn und würden Energie fressen. Neben den täglichen ToDo Listen ist für mich der größte Gewinn das "Kopf-frei-bekommen". Und wenn ich eine Sache fast 12 Monate durchhalte... dann... ist es eine wirklich gute Sache.
Ich schreibe auch Vortragsprojekte ins BuJo. Und Fortbildungsinhalte. Ich bin dazu übergegangen, alles, was mir wichtig erscheint, da rein zu schreiben. Warum? Weil ich es da auch wiederfinde.

10 Januar 2014

Wiederbelebungsmaßnahmen für meinen Blog

Neues Jahr, neuer Versuch: 

Wiederbelebung meines blogs. Vielleicht braucht der Blog einen anderen Namen. So schlimm ist das Leben ja auch wieder nicht.


Die heutige Losung (Ps. 103,13 und 1. Joh. 4,10) habe ich heute abend am eigenen Körper gespürt. Mein Kleiner war so aufgewühlt und wütend, wollte nicht ins Bett und sich sowieso nicht wickeln und ausziehen lassen. Nach sehr viel Gebrüll setzten wir uns in den Hängesessel und er kuschelte sich an mich und nuckelte Mama-Milch. Dabei entspannte er und ich fing an zu beten.
Es war ein bisschen so, als ob Gott sagte: So liebe ICH Dich. Wie  (ein Vater oder) eine Mutter, die ihr Kind liebt und tröstet, obwohl es sich völlig irrational verhält, wütet, tritt und brüllt. Können wir uns das vorstellen? Dass Gott uns liebt, auch wenn wir gerade unsere allerschlimmste Seite herauskehren? Dass Er uns zur Ruhe bringen möchte in der größten Aufwühlung?

Ich spürte auch, dass Gott mich verändern möchte mehr zu Ihm hin. Zu diesem Charakter hin, der Liebe und Trost spenden kann, wenn Mitmenschen sehr aufgewühlt, wütend und "dagegen" sind. Mir gelingt das gerade im Umgang mit den Kindern oft genug nicht. Woran liegt das?

Ich stellte fest, dass es mir nur gut gelingt, wenn ich Zeit mit Jesus verbringe. Nicht nur am Sonntag in GoDi. Und nicht als "Pflichterfüllung" oder Dienst. Ich merke für mich, dass mich nur diese Zeiten mit Jesus befähigen werden, den Trubel mit meiner fünfköpfigen Familie zu bestehen, ohne selbst wütend, aggressiv und unausgeglichen zu werden.

Das ist mein Thema für das neue Jahr:

Bei Gott zu sein ist mein Glück.


Aber ich bin nicht automatisch bei Gott, nur weil ich Christ bin und "christliche Dinge" tue.




03 Februar 2009

Heimkehrer und Kinderland

Möchte ja gerne mal wissen, wer hier ab und zu vorbeischaut... zumindest von zweien weiß ich es. Diese beiden mussten sich fast einen Monat gedulden.

Es ist viel passiert in dem Monat. Mein Großvater ist heimgekehrt, und zwar am 10. Januar, also einen Tag nach meinem letzten Eintrag. Es war etwas plötzlich und unerwartet, obwohl er schon ziemlich betagt war. 94 Jahre sind eine ganze Menge.

Mein Großvater...

still und unerkannt
bescheiden und
mit Gnade überhäuft
auf der Suche nach
dem kleinen bisschen Glück
kam zurück aus der
Hölle des Krieges
sein bruder nicht
hat gearbeitet
hat mit seinen Händen
so viel immer noch sichtbares
geschaffen, gemalt, mit
Stuck geschmückt
liebte liebte liebte
seine Schlittschuhe
seine Frau
meine Schwester
las auch mit 94 noch Zeitung
hat in seinen jungen Jahren
so viel erlebt
ich glaub
der Krieg hat ihn gebrochen
wo sollte das Glück nur sein
so vieles nimmt er mit
weiß keiner mehr
nur er

Es ist so traurig, dass ich niemals mehr seine Hand werde drücken können. Zumindest nicht im Diesseits. Aber ich bin mir recht sicher, er hat am 11. Januar mit meiner anderen im Oktober verstorbenen Oma deren Geburtstag gefeiert. Gerade rechtzeitig ist er da angekommen...

Das Jetzt ist so kostbar, und ich bin fest davon überzeugt, dass wir jetzt in unsere Nächsten investieren müssen, denn irgendwann ist es zu spät. Zu vieles bleibt dann unwiderbringlich.

Im Jetzt bin ich deswegen auch nicht bereit, mich fürs Praktische Jahr krummzumachen. In den letzten Tagen bin ich gegen unsichtbare Betonmauern gelaufen, was meinen Wunsch nach PJ in Teilzeit angeht. Einzig das Krankenhaus, das in der Angelegenheit ja eigentlich am meisten zu sagen haben sollte, ist in allen Punkten einverstanden. Die Verwaltungsmaschinerie des Landesprüfungsamtes sowie der medizin. Fakultät der Uni köln stellen sich quer.... Das macht mich ein bisschen verzweifelt. Ich bin nicht bereit, Vollzeit PJ zu machen. Mona ist im August grade ein Jahr alt. Vielleicht bin ich ja doch etwas altmodisch in der HInsicht. Aber ... nein, ich will das nicht. Ich will sie auch nicht in eine KiTa geben, sondern zu einer Tagesmutter. Das war einfach auch der Grund, warum ich meine Kinder im Studium bekommen habe: Weil solche Dinge einfacher zu realisieren sein sollten als später!

Manchmal reißt mich dann der Frust weg... So vieles verpasst, Dinge, die ich nie nachholen kann:
Studium schnell durchziehen
mich nebenbei engagieren, z.B. Teddybärkrankenhaus,
Famulaturen im Ausland
PJ im Ausland
Zeit fürs Schreiben
Eindrücke sammeln
Er-leben
...
...

Stattdessen:
fast 10 Jahre Studium
zwei Kinder
langweilige Hausarbeit
keine einzige Woche meines Studiums im Ausland
null Engagement (wenn man von der Eltern-Kind-Initiative absieht)
wenig Zeit fürs Schreiben
viele Erlebnisse mit den Kids
viel Liebe zurück
ein Stück vom Glück
einen meist sehr lieben Ehemann
viele kurze Nächte
Kotze in den Haaren
Pipi am Boden
Spaß
Nervaufreibendes Schreien
manchmal abselut keine Nerven für nix
ein sich ständig Reflektieren
Erleben, dass ich so unfertig bin
so fehlbar voller Schwachstellen
viel viel lernen und an sich selbst arbeiten
verletzlich sein, denn Kinder machen sehr verletzlich
bin unersetzlich für meine Familie
viele viele bunte Bilder und Bastelarbeiten
(was macht man damit?? Ich kann kaum alles aufheben...)

Vielleicht hat sichs doch gelohnt.... war nicht im Ausland, dafür im Kinderland!

24 Oktober 2008

Selbstwertgefühle, Homöopathie und anderes

Dein Platz im Himmel wird aussehen, als sei er für dich gemacht, und zwar für dich allein, weil du für ihn gemacht worden bist. -- C.S. Lewis


Dieser Satz beschäftigt und beflügelt mich zur Zeit. Ein Platz, für den ich gemacht worden bin. Da kommt die Frage auf: Wie bin ich eigentlich? Wie könnte dieser Platz aussehen? Ich glaube, ein bisschen so, wie unser Wohnzimmer jetzt: Wir haben nun ein bequemes Sofa, und gleich nebendran Regale voller Bücher. Ganz wichtig wäre mir dann noch ein Telefon... Wie bin ich gemacht? --
Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind hier alle auf der Flucht. Als ich vom Kindergarten zurückgelaufen bin, vor ein paar Tagen, da hab ich die Felder weit draußen gesehen und das Morgenrot - und irgendwie wär ich gern weit weg gewesen. Vielleicht in Greifswald, am Meer. Habe mir gedacht: Wo ist der Ort, wo ich hingehöre? Wie weit müssen wir noch reisen, wie oft umziehen? Ich glaube, es geht vielen so. Oder sind nur wir so ruhelos? Ich denke wir suchen nach diesem Platz, für den wir geschaffen wurden, unablässig. Nachdem ich den Satz von C.S. Lewis gelesen habe, bin ich etwas ruhiger geworden: Nein, ich werde ihn hier auf Erden einfach nicht finden. Vielleicht ist es so unperfekt wie es grad ist, doch sehr schön? Kann ich´s trotzdem genießen? --

Ich hatte vor kurzem wieder so eine Begegnung, bei der ich mich so klein und nichtig gefühlt habe. Wir waren mit einer anderen Kindergarten-Mama unterwegs, die Kinder verschwanden hinter einer Hecke im Gebüsch und spielten da. Wir unterhielten uns. Irgendwann kamen wir auch aufs Alter zu sprechen, und da musste ich feststellen, dass ich ganze 5 Jahre jünger bin als besagte Mutter... Da sie zudem ungefähr zwei Köpfe größer ist als ich, fühlte ich mich doppelt klein. Ich konnte richtig spüren, wie in mir dieses Minderwertigkeitsgefühl aufstieg...

Das ist wohl schwer zu verstehen. Aber die meisten Mütter heutzutage haben eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrere Jahre Berufserfahrung hinter sich. Ich mute da immer noch wie ein Küken an: Ich habe zwar eine abgeschlossene Berufsausbildung. Aber eben noch eine nicht ganz abgeschlossene. Und von Berufserfahrung keine Rede... Das ist so ein bisschen frustrierend, ich komme mir oft wie ein kleines, dummes Mädchen vor.

In dem Fall konnte ich das aber erspüren, fühlte, dass dabei ganz viel "gespiegelt" ist, also eigentlich die Gefühle der Frau mir gegenüber sind, die sich in meiner Gefühlswelt spiegeln (ich weiß auch nicht, warum?). Im Nachdenken habe ich gemerkt: Nein, ich muss mich nicht minderwertig fühlen. Ich bin fast 30,bin verheiratet, habe zwei Kinder, und bald bin ich mit dem Studium fertig.

Ein für mich zur Zeit recht zentrales Erlebnis, was Selbstwert angeht, war Monas Geburt. Ich habe im wahrsten Sinn des Wortes ein Kind zur Welt gebracht, habe es geboren, aus mir heraus, mit meiner Kraft. Ich kann es nicht so ganz erklären, aber das stärkt mich innerlich schon sehr. Ich möchte deswegen keine Frau abwerten, die einen Kaiserschnitt hatte oder anderweitig medizinisch unterstützt wurde. Aber... es ist eben was anderes!
Ob die Geburt einen Unterschied für den Selbstwert eines Kindes ausmacht? Ich hatte vor kurzem eine Art "Zwiegespräch" mit Mona - es war, als wollte sie sagen: Danke, Mama, dass Du mich zur Welt gebracht hast!" - Und ich konnte ihr antworten: "Das habe ich gerne für Dich gemacht, meine Liebe!" -- Mir kam dieser Vergleich mit Jesus: Gott ist für mich durch unsägliches Leid gegangen, damit ich "von Neuem geboren" werden kann. Im christlichen Verständnis herrscht ja das Bild vom "Vater-Gott" vor, obwohl die Bibel auch andere Metaphern benutzt.
Doch der Herr antwortet: "Kann eine Mutter ihren Säugling vergessen? Bringt sie es übers Herz, das Neugeborene seinem Schicksal zu überlassen? Und selbst wenn sie es vergessen würde - ich vergesse dich niemals! Unauslöschlich habe ich deinen Namen auf meine Handflächen geschrieben -- Jesaja 49,15-16

Unser Bild von Gott wird immer Stückwerk bleiben. Ich bin dennoch der Meinung, dass ein einseitiges Vaterbild falsch ist. In Gott steckt auch das Weibliche, die Mutter Gott. Oh jeh, das hört sich für manch einen ketzerisch an. Aber Gott hat Mann und Frau als sein Ebenbild geschaffen. So können nur Mann und Frau zusammen Gott "abbilden", ihm ähnlich sein. Sonst fehlt einfach etwas. -- Frauen fühlen sich im christlich-religiösen Zusammenhang zur "Mutter Gottes, Maria" hingezogen. Der Marienkult wird v.a. von Frauen hochgehalten. Ich denke, er rührt daher, dass ein patriarchalisches Christentum die "weibliche Seite" Gottes komplett ausgeblendet hat. Das ist bis heute nicht anders! Mutter Gott, das klingt gleich nach Indianern (Mutter Erde), nach Esoterik und allem Möglichen "Verbotenen". Leider wird Weiblichkeit immer noch sehr mit "Sünde" gleichgesetzt, zumindest in christlichen Kreisen. Und sei es nur unbewusst. (Meine Schwester könnte darüber eine Dissertation verfassen. Wäre sicherlich sehr interessant...) Vielleicht ändert sich das ja noch. Zumindest die Jesus Freaks sind da - soweit ich das mitbekomme - auf einem sehr guten Weg! (Sehr zu empfehlen: "Die Prinzessin auf der Kanzel" von Storch, im orkrist verlag erschienen.)

(Noch eine Anmerkung zum Bibeltext: Gott hat also Tattoos auf den Händen.. noch so ein Thema... - Ich erinnere mich mit guten, schönen Gefühlen daran, wie wir uns in Indien die Hände mit Henna bemalen ließen...)

Homöopathie

Noch ein Thema, was mich zur Zeit beschäftigt. Warum? Na, einmal wegen des Medizinstudiums. Zum anderen wegen ersten Selbstversuchen. Zum dritten: Homöopathie wird in christlichen Kreisen heiß diskutiert und von manchen als "okkult" bezeichnet. Man möchte natürlich nix falschmachen... naja, ich habe schon vor längerem festgestellt, dass Christen sich das Leben manchmal extra sehr kompliziert machen. Ich denke, für Gott wird es nicht so wichtig sein, ob ich nun mal Globuli genommen habe oder nicht. Meine innere Haltung dazu wird ihn aber schon interessieren!
Es gibt einen Verein Christlicher Heilpraktiker (Jaaa, es gibt auch Christen, die sich professionell mit alternativer Medizin beschäftigen!). Die sehen das grad mit der Homöopathie ganz locker. Ich vertraue diesen Menschen und bin also erstmal grundsätzlich der Meinung, dass Homöopathie ursprünglich nichts mit Okkultismus, Esoterik und Antoposophie (Steiner, Waldorf) zu tun hat(te). (Übrigens weiß ich aus der Biographie "Mother of an Army", dass Catherine Booth, Frau des Gründers der Heilsarmee, Homöopathie anwendete, als sie an Brustkrebs erkrankte)

Was mich auch sehr skeptisch macht: Homöopathie hilft so ziemlich gegen alles, zumindest, wenn man der DHU glaubt. Ich habe auch schon beobachtet, dass geradezu eine Abhängigkeit von den Globuli entsteht. Ohne Gobuli kann ja nichts mehr normal heilen! Kinder brauchen unbedingt Globuli, wenn sie sich den Kopf stoßen, es grenzt geradezu an Kindsmisshandlung, ihnen die Globuli zu verweigern! Für jede Befindlichkeit gibt es ein Kügelchen. Die DHU hat jetzt ein neues Mittel gegen Erschöpfung und Stress herausgebracht.Das trifft den Zeitgeist. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie schnell dieses ansonsten harmlose Mittelchen zur Sucht werden kann. Statt Strategien zu entwickeln, mit Stress umzugehen, werden Globuli eingeworfen...

Homöopathie behandelt ausschließlich Symptome und kennt keine Krankheiten, sondern "nur" "Krankheitsbilder". Dies ist einerseits positiv: Der Blick geht auf den ganzen Menschen, bezieht sein Temperament/seinen Charakter mit ein. Andererseits: Ein allergischer Schnupfen erzeugt die gleichen Symptome wie ein viraler Schnupfen. Trotzdem sollte man eine Allergie anders behandeln als eine Viruserkrankung. Das ist bei der Homöopathie nicht der Fall.
Dann bleibt also noch die Frage nach der Wirksamkeit und Wissenschaftlichkeit offen. Ich habe einen sehr aufschlussreichen Artikel im Wiki gelesen (hier) Danach muss ich ja mal sagen: Gute Nacht, Homöopathie! Alles Quark, Mumpitz und Käse. Kann eigentlich nicht funktionieren.

Dennoch: meine eigenen Erfahrungen mit Homöopathie sind nicht völlig negativ.
Ich komme da einfach zu dem Schluss, dass Homöopathie zur sogenannten "Erfahrungsmedizin" gehört, zu der Gruppe von Arzneimitteln, die (wenigstens begrenzt) wirken, was wir eben aus der Erfahrung mehrerer Generationen wissen. Aber nicht erklären können.
Ich möchte dennoch davor warnen. Abhängigkeit und sich nur noch auf die Globuli verlassen können einfach nicht die Antwort sein.

Das soll nun mal reichen für heute.



22 September 2008

Kinderliebe

Heute war ein guter Tag: Früh nettes Frühstück mit den Frauen vom Geburtsvorbereitungskurs (aber es war schrecklich, bis wir losgekommen sind...), danach eine ruhige Zeit zu Hause, Essen war vorgekocht, also auch damit kein Stress!

Heute Nachmittag hatte Ida die Idee, dass eins ihrer Playmobil-Männchen "sich so doll verletzt hat, dass es stirbt!" Sie lachte dabei. Da habe ich ihr erklärt, dass man jemanden, der stirbt, in eine Kiste legt und beerdigt. Wir mussten dann also das Playmobil-Männchen beerdigen. Ich habe ihr von unserer Seele erzählt und dass Jesus die lebendig macht und mit in den Himmel nimmt und dass wir dann bei Gott sind. Was sagt meine Maus? "Dann ist das wie bei Jesus." "Ja, so ähnlich, der ist auch auferstanden und in den Himmel gekommen."

Volker fliegt morgen für ein paar Tage nach Amerika, Cedar Rapids, Iowa. Deswegen war der Abend etwas konfus, Volker versuchte zu packen, ich versuchte zu stillen und gleichzeitig Ida ins Bett zu bringen. Funktionierte natürlich nicht. Also hab ich erstmal gestillt, während Volker eine Geschichte vorlas. Dann habe ich wieder übernommen. Mit Ida und Mona gekuschelt, gesungen, gebetet. Ida hat das Thema des Nachmittages wieder aufgegriffen: Sie fragte mich, wie alt der Papa bei seinem nächsten Geburtstag wird. Ich: "40 Jahre".. Sie: "Na dann muss er ja bald sterben!" ich: "Nein, das glaub ich nicht, guck, Opa ist ja auch schon viel älter und lebt noch. Wir wollen, dass Papa noch gaaaanz lange lebt." "Ich will, dass Papa gar nicht stirbt." Hmm. Was sagt man da? Im Lauf des Gespräches kam dann noch: "Ich sterbe ja auch einmal." Ich habe ihr dann noch mal von Jesus erzählt und das fand sie, glaub ich, gut! Ich weiß nicht, ob ich hierbei alles richtig mache... Erziehung und alles was dazu gehört ist wirklich spannend.

Als Ida dann neben mir im Bett schlief und Mona auf der Matratze auf der anderen Seite, war ich irgendwie sehr glücklich. Schaute von einem Kind zum anderen. Fand es einfach so schön, zwei Kinder zu haben. Fragte mich, ob ich noch mehr von der Sorte will. Spürte eine Ruhe und einen Frieden. Oft bin ich nicht so nett zu Ida, finde ich. Mehr Klarheit und Ausgewogenheit täten gut. Ich arbeite daran. Ich glaube, ich darf unperfekt sein, meine Kinder werden daran nicht kaputt gehen. Solange sie spüren, dass ich sie liebe...

21 September 2008

Ritterliches

Zur Abwechslung mal was aus unserem "Alltag", wobei, Wochenende ist ja nicht Alltag. Gestern waren wir mit Y. und M. zusammen in Z. am Kunsthandwerkermarkt und - besonsers wichtig! - bei den Ritterspielen. Y. ist ein ganz lieber kleiner Junge, Idas bester Freund noch aus EKI-Zeiten. Sie verstehen sich sehr gut, und Ida mag M.auch sehr gerne - da werd ich manchmal schon neidisch. Aber Monika ist eben auch eine ganz, ganz Liebe! So haben sich also beide riesig gefreut, dass sie mal wieder zusammen spielen konnten. Am Nachmittag sind wir mit dem Bus also nach Z. gefahren. Das ist ein kleines, schon fast mittelalterlich wirkendes Städtchen mit einem Schloss, einer Freilichtbühne und einer Windmühle (leider nicht funktionstüchtig). Mit Mona ging das sehr unproblematisch, auch wenn sie beim Stillen wieder bisschen geschrien hat. Stillen ist mit Mona nicht so einfach. Ich habe teils sehr viel Milch, die dann richtig "einschießt". Mir zieht´s dabei im Busen, und Mona kriegt fast keine Luft, weil sie in Milch ertränkt wird. Zudem hat sie Schnupfen, deswegen kann sie noch schlechter atmen beim Trinken. Ich fand den Nachmittag sehr erholsam: Drei Erwachsene (Volker war ja auch dabei), und drei Kinder. Sehr entspannt. Um 16h gab es dann ein richtiges Ritterturnier, mit mittelalterlichem Prunk, Pferden, richtiger Ritterrüstung, Lanzen, Pfeil und Bogen und was man sich so vorstellen kann. Die Kinder haben es genossen. Allerdings, irgendwann war es doch etwas langatmig, da sind wir wieder gegangen. Anschließend sind wir noch eine ganze Weile durch die Stadt gebummelt, denn der Handwerkermarkt zog sich durch die ganze Innenstadt; die schönsten Stände fanden sich im Schlossinnenhof. Da gab es leckeren Käse aus der Region, sehr schöne Ledertaschen (ich hab eine gekauft!), hübsche getöpferte Kleinigkeiten für Haus und Hof, lustige Vögel aus Ton mit "Metallfedern" für den Garten, Schmuck, Holztiere, Geschmiedetes, Wollstulpen, Schaffelle... Mir hat vieles sehr gut gefallen. Abends hat Volker die beiden nach Hause gefahren, und ich habe es doch tatsächlich geschafft, beide Kinder alleine zum Schlafen zu bringen. Gute Übung für nächste Woche, Volker fliegt für ein paar Tage in die USA. Aber so wie es aussieht, kommt meine liebe Schwester!