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02 April 2011

Ein Zu Hause finden

Bevor ich weiterschreibe über God´s Economy möchte ich Euch (liest hier eigentlich jemand??) teilhaben lassen an einer wahren Geschichte aus unserem Leben, die mir zur Zeit nachgeht und deren entgültige Bedeutung und Bewertung (muss man das überhaupt?) noch aussteht.

In unserer alten Heimatgemeinde hatte es sich in einer kleinen Gruppe Singles verschiedenen Alters eingebürgert, sich recht regelmäßig nach dem Sonntag zum Essen zu treffen, mal hier, mal da, jeder bringt mit, was er hat, und irgendwie sind wir immer satt geworden und haben eine gute Zeit gehabt. Wir waren im Kern sechs Leute, die sich öfters gegenseitig besucht haben. Ein lieber Freund aus der Gruppe hat sich zudem öfters mit Volker unter der Woche getroffen, abends zum Essen, keine lange, aufwendige Sache: Zusammen gekocht, zusammen gegessen und geredet, und dann wieder nach Hause. Dieser Freund, nennen wir ihn D., war schon länger Single und auf der Suche nach einem "zu Hause", wie er uns immer wieder sagte. Als Christ gibt es dann ja schon diverse Möglichkeiten. Eine davon ist es, in eine Gemeinschaft zu ziehen und zu hoffen, dass dies das Zuhause wird.

So ging es auch D. Er wollte sich gerne sozial engagieren und ging deswegen in eine Gemeinschaft, die sich um Abhängige auf dem Weg aus der Abhängigkeit kümmerte. Er nahm sich eine längere Zeit unbezahlten Urlaub, vielleicht kündigte er sogar seine Arbeitsstelle, das weiß ich nicht mehr. Er stellte seine Möbel bei Bekannten und Verwandten unter und zog in besagte Gemeinschaft.

Wir blieben in Verbindung. Hin und wieder telefonierten wir, und leider war D. nicht besonders glücklich in dieser Gemeinschaft. Er hatte sehr wenig Raum für sich. Wenn er ein Problem hatte, hieß es, er solle dieses mit Gott klären. Es war definitiv kein Zu Hause für ihn geworden. Er sehnte sich zurück in seine "alte" Heimat, die für ihn dennoch keine richtige Heimat war.
Immer noch auf der Suche nach einem Ort, an dem er Wurzeln schlagen konnte...

Schließlich beschloss er, wieder zurückzukehren. Das war ziemlich genau zu dem Zeitpunkt, als wir wegzogen. Volkers Wohnung hatten wir gerade leergeräumt, als er uns fragte, ob er dort für eine Weile einziehen könnte, bis er eine eigene Wohnung gefunden hätte. Da der Mietvertrag ohnehin noch ein paar Wochen lief, hatten wir da rein gar nichts dagegen.

Wir waren eben ein paar Tage umgezogen, als uns eine gute Freundin anrief: "D. liegt im Krankenhaus, er fühlte sich schlecht und ist ins Krankenhaus. Bitte betet für ihn."
Einen Tag später kam die schreckliche Nachricht: "Iris, Volker, D. ist gestorben. Er hatte einen Herzinfarkt. Sie konnten ihn nicht retten. Es ging alles so schnell, keiner hat damit gerechnet!"

Wie vor den Kopf gestoßen waren wir... er war einer unserer besten Freunde in der alten Heimat. Ich hatte noch ein paar Tage zuvor mit ihm telefoniert, als er in die Wohnung gezogen war. Ich erinnere mich noch dunkel, dass es auch da wieder um das Zu Hause ging, das Ankommen, das zu Hause sein. In dem Gespräch ist mir so klar geworden, dass wir hier auf Erden kein endgültiges Zuhause finden werden, egal wie sehr wir uns bemühen. Ob wir nun Häuser bauen oder nicht, ob wir in einer Gemeinschaft leben oder nicht: unser Nest ist nicht von dieser Welt. Oder wie Augustinus in seinen Confessiones schreibt:
"...denn du hast uns zu dir hin geschaffen, und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir."
(Augustinus, Confessiones 1,1, 400 n.Chr., ins Deutsche übertragen von Iris K. Hoenisch.)

Für mich blieb ein Gefühl, ein Eindruck über D.´s Leben und Sterben: dass er nun endlich zu Hause angekommen ist, dass all sein Suchen und Streben von Gott letztgültig beantwortet worden war. Das hat mir den Sinn seines Sterbens leichter gemacht, denn es erscheint immer sinnlos, wenn ein (relativ) junger Mensch stirbt.

Was das mit God´s Economy zu tun hat? Das werdet ihr schon noch herausfinden...

2Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR der Heerscharen!
3 Es sehnt sich, ja, es schmachtet meine Seele nach den Vorhöfen des HERRN, mein Herz und mein Leib, sie jauchzen dem lebendigen Gott entgegen.
4 Auch der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für sich, wo sie ihre Jungen hingelegt hat - deine Altäre, HERR der Heerscharen, mein König und mein Gott!
5 Glücklich sind, die in deinem Haus wohnen. Stets werden sie dich loben. //

(Rev. Elberfelder Bibel, Psalm 84, Verse 2-5)

03 Februar 2009

Heimkehrer und Kinderland

Möchte ja gerne mal wissen, wer hier ab und zu vorbeischaut... zumindest von zweien weiß ich es. Diese beiden mussten sich fast einen Monat gedulden.

Es ist viel passiert in dem Monat. Mein Großvater ist heimgekehrt, und zwar am 10. Januar, also einen Tag nach meinem letzten Eintrag. Es war etwas plötzlich und unerwartet, obwohl er schon ziemlich betagt war. 94 Jahre sind eine ganze Menge.

Mein Großvater...

still und unerkannt
bescheiden und
mit Gnade überhäuft
auf der Suche nach
dem kleinen bisschen Glück
kam zurück aus der
Hölle des Krieges
sein bruder nicht
hat gearbeitet
hat mit seinen Händen
so viel immer noch sichtbares
geschaffen, gemalt, mit
Stuck geschmückt
liebte liebte liebte
seine Schlittschuhe
seine Frau
meine Schwester
las auch mit 94 noch Zeitung
hat in seinen jungen Jahren
so viel erlebt
ich glaub
der Krieg hat ihn gebrochen
wo sollte das Glück nur sein
so vieles nimmt er mit
weiß keiner mehr
nur er

Es ist so traurig, dass ich niemals mehr seine Hand werde drücken können. Zumindest nicht im Diesseits. Aber ich bin mir recht sicher, er hat am 11. Januar mit meiner anderen im Oktober verstorbenen Oma deren Geburtstag gefeiert. Gerade rechtzeitig ist er da angekommen...

Das Jetzt ist so kostbar, und ich bin fest davon überzeugt, dass wir jetzt in unsere Nächsten investieren müssen, denn irgendwann ist es zu spät. Zu vieles bleibt dann unwiderbringlich.

Im Jetzt bin ich deswegen auch nicht bereit, mich fürs Praktische Jahr krummzumachen. In den letzten Tagen bin ich gegen unsichtbare Betonmauern gelaufen, was meinen Wunsch nach PJ in Teilzeit angeht. Einzig das Krankenhaus, das in der Angelegenheit ja eigentlich am meisten zu sagen haben sollte, ist in allen Punkten einverstanden. Die Verwaltungsmaschinerie des Landesprüfungsamtes sowie der medizin. Fakultät der Uni köln stellen sich quer.... Das macht mich ein bisschen verzweifelt. Ich bin nicht bereit, Vollzeit PJ zu machen. Mona ist im August grade ein Jahr alt. Vielleicht bin ich ja doch etwas altmodisch in der HInsicht. Aber ... nein, ich will das nicht. Ich will sie auch nicht in eine KiTa geben, sondern zu einer Tagesmutter. Das war einfach auch der Grund, warum ich meine Kinder im Studium bekommen habe: Weil solche Dinge einfacher zu realisieren sein sollten als später!

Manchmal reißt mich dann der Frust weg... So vieles verpasst, Dinge, die ich nie nachholen kann:
Studium schnell durchziehen
mich nebenbei engagieren, z.B. Teddybärkrankenhaus,
Famulaturen im Ausland
PJ im Ausland
Zeit fürs Schreiben
Eindrücke sammeln
Er-leben
...
...

Stattdessen:
fast 10 Jahre Studium
zwei Kinder
langweilige Hausarbeit
keine einzige Woche meines Studiums im Ausland
null Engagement (wenn man von der Eltern-Kind-Initiative absieht)
wenig Zeit fürs Schreiben
viele Erlebnisse mit den Kids
viel Liebe zurück
ein Stück vom Glück
einen meist sehr lieben Ehemann
viele kurze Nächte
Kotze in den Haaren
Pipi am Boden
Spaß
Nervaufreibendes Schreien
manchmal abselut keine Nerven für nix
ein sich ständig Reflektieren
Erleben, dass ich so unfertig bin
so fehlbar voller Schwachstellen
viel viel lernen und an sich selbst arbeiten
verletzlich sein, denn Kinder machen sehr verletzlich
bin unersetzlich für meine Familie
viele viele bunte Bilder und Bastelarbeiten
(was macht man damit?? Ich kann kaum alles aufheben...)

Vielleicht hat sichs doch gelohnt.... war nicht im Ausland, dafür im Kinderland!

22 September 2008

Kinderliebe

Heute war ein guter Tag: Früh nettes Frühstück mit den Frauen vom Geburtsvorbereitungskurs (aber es war schrecklich, bis wir losgekommen sind...), danach eine ruhige Zeit zu Hause, Essen war vorgekocht, also auch damit kein Stress!

Heute Nachmittag hatte Ida die Idee, dass eins ihrer Playmobil-Männchen "sich so doll verletzt hat, dass es stirbt!" Sie lachte dabei. Da habe ich ihr erklärt, dass man jemanden, der stirbt, in eine Kiste legt und beerdigt. Wir mussten dann also das Playmobil-Männchen beerdigen. Ich habe ihr von unserer Seele erzählt und dass Jesus die lebendig macht und mit in den Himmel nimmt und dass wir dann bei Gott sind. Was sagt meine Maus? "Dann ist das wie bei Jesus." "Ja, so ähnlich, der ist auch auferstanden und in den Himmel gekommen."

Volker fliegt morgen für ein paar Tage nach Amerika, Cedar Rapids, Iowa. Deswegen war der Abend etwas konfus, Volker versuchte zu packen, ich versuchte zu stillen und gleichzeitig Ida ins Bett zu bringen. Funktionierte natürlich nicht. Also hab ich erstmal gestillt, während Volker eine Geschichte vorlas. Dann habe ich wieder übernommen. Mit Ida und Mona gekuschelt, gesungen, gebetet. Ida hat das Thema des Nachmittages wieder aufgegriffen: Sie fragte mich, wie alt der Papa bei seinem nächsten Geburtstag wird. Ich: "40 Jahre".. Sie: "Na dann muss er ja bald sterben!" ich: "Nein, das glaub ich nicht, guck, Opa ist ja auch schon viel älter und lebt noch. Wir wollen, dass Papa noch gaaaanz lange lebt." "Ich will, dass Papa gar nicht stirbt." Hmm. Was sagt man da? Im Lauf des Gespräches kam dann noch: "Ich sterbe ja auch einmal." Ich habe ihr dann noch mal von Jesus erzählt und das fand sie, glaub ich, gut! Ich weiß nicht, ob ich hierbei alles richtig mache... Erziehung und alles was dazu gehört ist wirklich spannend.

Als Ida dann neben mir im Bett schlief und Mona auf der Matratze auf der anderen Seite, war ich irgendwie sehr glücklich. Schaute von einem Kind zum anderen. Fand es einfach so schön, zwei Kinder zu haben. Fragte mich, ob ich noch mehr von der Sorte will. Spürte eine Ruhe und einen Frieden. Oft bin ich nicht so nett zu Ida, finde ich. Mehr Klarheit und Ausgewogenheit täten gut. Ich arbeite daran. Ich glaube, ich darf unperfekt sein, meine Kinder werden daran nicht kaputt gehen. Solange sie spüren, dass ich sie liebe...

17 Oktober 2006

Gedichte und leben und sterben

Nächste Woche fängt auch für mich endlich wieder die Uni an. Das hat mich doch kürzlich dazu gebracht, endlich mal meinen Schreibtisch aufzuräumen. Dabei bin ich auf ein Gedicht gestoßen:
long lasting love in ewiger Treue wohin führt das wovon träumst du poesie wo bist du hinter bäumen versteckt in wiesenkraut lilane sternchen auf dem gras am sternenhimmel verdeckt von wolken durchdringend der schein hell am Morgenrot was willst du mehr herz was suchst du den tod und das siechtum rechts und links lass liegen lebe lebe lebe der himmel ist weit der tag lang lass die sorgen ruhe mein herz ruhe vergiss vergiss vergiss long lasting love
Beim Blättern bin ich auf noch ein anderes Gedicht gestoßen:
Diesseits Im diesseits unberührt angehaucht eingeschränkt betrachtend ohne mühe vergeblich suchend nicht wissend ahnend hoffend angerührt entfacht un vorstellbar bereit weiter ein schritt ins dasein
Es muss auch nicht jeder etwas damit anfangen können. Selbst ich kann nicht mehr unbedingt nachvollziehen, woher die Worte kamen... Das erste Gedicht entstand aber in einer Zeit, in der zwei Menschen gestorben sind und in der mich mein Studium durch den Patho-Kurs auch ziemlich durcheinander gebracht hat, gerade was den Glauben angeht. Die Tatsache, dass es so viel persönliches Leid gibt auf dieser Welt ist dann umso schockierender, wenn man mit diesen lebenszeichen konfrontiert wird. Denn auch das gehört zum Leben. Gestern haben eine Freundin und ich uns ausgetauscht über das Leben, das wir als Mediziner sehen. Wir (und meine Freundin weit mehr als ich, sie arbeitet bereits) sehen die tiefsten Abgründe, die stärksten Emotionen, das, was Menschen in ihren Grundfesten erschüttert. Und den Anfang und das Ende des Lebens. Das leben ist doch so anders als wir oft denken. Es besteht aus so viel mehr Tiefe soviel mehr liebe und weite. Leben und sterben: das Kloster... ist wohl vorerst gestorben. Die Leute, die sich das unter Umständen vorstellen konnten, sind einer nach dem anderen weggebrochen. Das heißt nicht, dass wir den Gedanken komplett beerdigen. Aber... vielleicht ist es der falsche Ort oder die falsche Zeit. Oder wir sind noch nicht genug vorbereitet. Oder oder oder.... Jedenfalls gibt es in unserem Leben, in unserer Ehe genug Entwicklungspotential für einen "klostermäßigen Lebensstil", dass wir auch so erst mal beschäftigt sind. Das geht mit regelmäßigen Zeiten für Jesus los und hört noch lange nicht beim gemeinsamen Abendessen auf... Gott arbeitet an uns und verändert uns. Ich selbst habe immer mehr eine tiefe Sehnsucht nach echtem Glauben, nach... ich kann es so schlecht greifen. Nach Ganzheitlichkeit. Nicht nur am Sonntag in den GoDi gehen, nicht nur ab und zu Bibel lesen, sondern unser Leben - auch das physische - von Gott durchdringen lassen, von seinem Rhythmus bestimmen lassen. Gottes Atem einatmen. Seinem Herzschlag nachspüren und so schwingen wie Er. Klingt abstrakt, ja? Ist es aber eben gar nicht. Es ist nicht nur eine geistliche Handlung, ein innerlicher Prozess, sondern auch ein äußerer, sichtbarer Prozess. Leib, Seele und Geist gehören untrennbar zusammen! Das ist nicht so ganz einfach mit einem Kleinkind. Aber es wird besser. :) Soviel erstmal für heute. Ich könnt noch weiterschreiben, aber ich möcht noch Obstmus einkochen.