06 Dezember 2009

Geschenke und Gedanken vor Weihnachten (alter Beitrag..

Vor kurzem fragte Ida mich: "Irgendeine Zahl muss doch die letzte Zahl sein, oder?" Da hätte ich dann über Unendlichkeit reden können. Aber mir fiel ein Artikel im National Geographic ein, den wir kürzlich gelesen hatten: Das Volk der Hadza, mit die letzten Jäger und Sammler, kennen nur Zahlwörter von eins bis vier. Armselig, könnte man meinen. Aber nein, sie sind unendlich reich: denn fünf Leute sind bereits "viele", und sechs Affenbrotbaumfrüchte sind auch "viele" Früchte. Was würde es in unserem Denken verändern, wenn wir zu allem, was jenseits des Zahlwortes "vier" liegt, "viele" sagen würden? - Sobald wir hier einen Menschen zu Besuch haben, sind wir viele. Wenn im Kühlschrank noch fünf Eier liegen, sind das viele. Fünf oder zehn Euro im Geldbeutel sind viel. So gesehen, haben wir viele, viele Freunde und sind überhaupt mit einem unermesslichen Reichtum gesegnet. Wir haben von allem viel. Vielleicht manchmal zu viel.
Ich möchte sensibler sein für Armut und Reichtum, für echten Reichtum im Leben und Armseligkeit trotz Überfluss. Für mich ist das ein Dauerthema. Ich komme mir oft vor wie der Reiche, der nicht durchs Nadelöhr passt. Gerade jetzt vor Weihnachten ist Konsum wieder ein großes Thema. Das geht schon mit den Geschenken für die Kinder los... Ich merke, wie gut es uns trotz Krise geht. Vieles, was für mich heute selbstverständlich ist, war es nicht in meiner Kindheit. Ich kann nicht sagen, ob es an meiner Familie, den Einstellungen meiner Eltern, oder einfach dem anderen "Zeitgeist" lag. Damals war dieses "höher, schneller, besser, mehr, weiter, toller, noch viel mehr", dieses Unersättliche nicht so ausgeprägt vorhanden wie heute, wie bis vor der Krise. Ich frage mich, wann die Kehrtwende kommt. Sie muss kommen. Es ist Utopie zu meinen, es ginge immer weiter bergauf, es gäbe immer mehr L*go, playm*bil und d*plo im Kinderzimmer, immer mehr Autos, eine wachsende Zahl an einkunftsstarken gesunden Menschen, eine immer breitere Mittelschicht. Nein, die Mittelschicht schrumpft, die Ränder werden breiter, die Schere größer. In der Süddeutschen Zeitung habe ich dazu einen ganz tollen Artikel gelesen, der den Bogen schlägt zur Klimakonferenz: in der "Außenansicht" von David Suzuki.
Seid gesegnet! Gottes Maß für Reichtum ist eben ein anderes als unseres...

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