28 März 2006

klostergedanken

Am Sonntag (26. März) waren wir bei Freunden und haben wieder einmal unsere "Klostergedanken" gewälzt. Dabei geht es um ein bewusst gewähltes Zusammenleben, in Form einer Wohngemeinschaft, was aber doch über eine reine WG hinausgehen soll. Jesus Christus soll uns verbinden.

Auf dem Freakstock 2005 ging es in einem Seminar "Freaks, wo sind deine Mönche?" um eine neue-alte Art, den Glauben in Gemeinschaft zu leben und nicht nur Sonntags zum GoDi zu gehen. (Hier gibt es eine 20min-Kurzfassung) Dieses Seminar hat uns sehr angesprochen, Volker und ich hatten den Eindruck: das ist eigentlich genau das Ding, wonach wir die ganze Zeit in den verschiedenen Gemeinden unbewusst suchen. Wir sind beide "starke" Gemeinschaftsmenschen, es ist uns wichtig, Beziehungen und Freundschaften zu bauen und zu pflegen. Dennoch haben wir recht bald nur noch über die praktische Umsetzung geredet: Großes Haus kaufen oder mieten, oder was? Car-Sharing, Kühlschrank- & Waschmaschinen-Sharing und die ganzen praktischen Vorteile... dabei ist der geistliche Aspekt voll untergegangen.

Dietrich Bonhoefer schreibt in "Gemeinsames Leben":

"Die seelische Liebe liebt den Anderen um seiner selbst willen.
Die geistliche Liebe liebt den Anderen um Christi willen."
Ich buchstabiere das für mich grade durch. Wie oft haben wir gehört, wir sollen den Anderen mit Gottes Augen sehen... klar, oder? "In Gottes Augen ist xyz eine ganz tolle Person, aber ich find ihn trotzdem sche...." - Ich fange die Sätze neuerdings mit "Jesus" an: "Jesus ist für xyz am Kreuz gestorben." "Jesus liebt xyz." "Jesus ist der Anfänger und Vollender im (Glaubens-)Leben von xyz." - Allein die letzte Aussage entlastet mich gewaltig: ich brauch denjenigen jedenfalls nicht zurechtzubiegen, weil ich weiß, dass Jesus da schon dran ist.
Was hat das jetzt mit "Kloster" oder Communität zu tun? Total viel, ich glaube, der geistliche Background entscheidet darüber, ob so eine Gemeinschaft funktioniert, lebt, ein lebendiges, waberndes, sich fortbewegendes Gebilde ist, oder ob man innerhalb der Gemeinschaft auch wieder nur nebeneinander herlebt. Dann teilt man zwar die gleiche Haustüre und vielleicht auch noch Autos und Waschmaschinen, aber es kann keine tiefere, geistliche Gemeinschaft entstehen.

Ich wünsche mir sehr, dass Jesus viel mehr Raum gewinnt in meinem Leben, dass sich Dinge in mir verändern.

Soviel für heute.

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