Schon seit längerer Zeit mache ich mir Gedanken über mein Konsumverhalten. Als ich vor kurzem bei einem großen schwedischen Möbelhaus war, bin ich wirklich sehr ins Grübeln gekommen.
Wir waren mit den Kindern und einer Freundin und deren Sohn also bei Ikea. Die Kinder konnten ins Smaland, worauf Ida sich schon lange gefreut hatte. Mona habe ich mir im TT umgebunden, das war sehr gut, sonst wär es zu viel für sie gewesen.
Volker besorgte schon mal seine Regal-Teile, während ich mit M. durch den Laden zog.
M. muss finanziell immer sehr gut kalkulieren. Sie überlegt also sehr genau, ob etwas passt bzw. ob sie es braucht, oder nicht. Volker und ich hatten uns auch vorab eine kleine Liste zusammengestellt, damit wir nichts vergessen (und stattdessen dann irgendwelchen überflüssigen Kram kaufen).
Also… los… Hmm. Es ist schon ziemlich hardcore, durch I**A zu ziehen und wirklich nur die Sachen mitzunehmen, die man sich aufgeschrieben hat. Bei den Küchenutensilien meinte ich zu M.: „Lass uns schnell durch. Tassen und so sind echt billig, sehr verführerisch! Und Frischhaltedosen hab ich sowieso zu viele.“ – Nun ja, Volker kam dann mit 10 Gläsern und einer großen Packung Frischhaltedosen an… J da sag noch mal einer, Frauen wären dem Einkaufen verfallen…
Noch viel krasser finde ich es allerdings, wie meine Freundin M. es getan hat: Durch dieses schwedische Möbelhaus ziehen und abselut NICHTS zu kaufen. Keine Servietten. Keine Teller. Keinen Stoff. Keine Bettwäsche. Keine Kisten. Kein garnix.
Abends habe ich dann ein bisschen sinniert und nachgedacht und mit Volker gesprochen.
Vor einiger Zeit habe ich mich mit meinen „
ökologischen Fußabdruck“ auseinandergesetzt. Dabei bin ich über eine Frage zu second-hand-Waren gestolpert. Ist ja eigentlich logisch: jedes neue Pressspan-Regal muss hergestellt werden. Das verbraucht Ressourcen, Energie, Bäume…. Und wie lange hält so ein Regal? Ein bis zwei Umzüge. Dann ist es hin. – Wir haben einen Esstisch da stehen, der ist noch von Volkers Großmutter, also bestimmt an die 100 Jahre alt. Insgesamt haben wir doch deutlich mehr gebrauchte als neue Möbel. Auch für Ida haben wir gebrauchte KiZi-Möbel gekauft, warum auch nicht? Ich finde sie total schön, zeitlos, und sie sehen auch noch nicht „abgenutzt“ aus.
Seien wir mal ehrlich: Der Konsummarkt ist völlig übersättigt. Eine breite Schicht hat fast alles: Kinderspielzeug in rauen Mengen (davon später mehr), Möbel, Kleidung, Elektronikwaren, also PCs, Handys, Kameras etc. Gerade bei Kindersachen ist es sehr offenkundig: Das meiste braucht man nur eine recht kurze Zeitspanne. (KiWa, Laufstall, Babywippe – die sind neu echt schweineteuer!, Kindertisch und –stühle etc., Strampler, Bodys….) Und dann? Ist das alles meist noch ganz gut in Schuss. Kann wieder getragen werden. Hat vielleicht nen Fleck mehr, der nicht rausgeht. Aber wen stört das bei einem Kleinkind, was sich sowieso nach spätestens 10 min vollsabbert?
Klar gibt es Sachen, die sich auch lohnen, neu zu kaufen. Wir haben Ida z.B. eine gute Robust-Jacke gekauft. Die war teuer, hält aber mindestens bis nächstes Frühjahr (da schön groß gekauft) und Mona darf die auch noch anziehen!
Ich weiß nicht, ich hab keinen Bock mehr auf billigen Kram kaufen, der nach kürzester Zeit kaputt geht. Ich hab auch keine Lust mehr, langlebige Dinge neu zu kaufen. Berühmtes Beispiel aus unserem Haushalt: Wir besitzen einen Kinder(hoch)stuhl, in dem meine inzwischen 16- und 18-jährigen Geschwister schon drinsaßen. Wir haben jetzt (gebraucht) einen zweiten gekauft. Wertverlust hatte der glaub ich keinen. J Wenn sowieso alle alles haben und man Dinge wie Kinderspielzeug und –anziehsachen zirkulieren lassen kann, warum dann überhaupt noch auf die Konsummasche reinfallen? ---
Die Weltwirtschaftskrise ist für den Westen absolut symptomatisch, wenn ihr mich fragt: Der Markt ist einfach hemmungslos übersättigt. Für mich ist es eigentlich logisch, dass das Wirtschaftswachstum an Grenzen stoßen muss. Gleichzeitig widert mich der Kaufrausch inzwischen an. Insbesondere dieses „Hauptsache billig! Schnäppchen gemacht!“ Uahh. Wobei man es schwieriger hat, wenn man nicht so aufs Geld schauen muss. Jesper Juul hat das so nett ausgedrückt: In einer Zeit, in der es kein großes Problem für viele Eltern ist, jeden Tag eine Kugel Eis zu kaufen, muss man seine Werte, seine Grenzen, seine Prinzipien neu überdenken. Und man kann sie eben nicht einfach am Geld festmachen… da muss man sich schon bessere Argumente überlegen. Besonders, wenn man so ein schlaues Mädchen hat wie wir!
Meine theoretischen Überlegungen sollten sich schon bald in der Praxis bestätigen. Drei Tage später hatten wir hier Sperrmüll. Ida wollte nicht in den KiGa gehen. Also sind wir so ein bisschen unterwegs gewesen. Ich hab mich so bisschen umgesehen, was es da alles für umsonst gab: z.B. einen Wipp-Schaukelstuhl, der nur einen etwas schmuddeligen Bezug hatte. Oder eine Plastik-Spielküche „mit Zubehör“, die unbeschädigt war. – Die haben wir dann zu Idas Freude mitgenommen. Sie steht nun auf unserer Terrasse.
Was gabs noch? Tischplatten, Eckbänke und Sofas, die etwas aus der Mode gekommen waren, einen sehr schönen gedrechselten Stuhl habe ich leider erst gesehen, als er ins „Entsorgungs-Mobil“ wanderte. Einen weißen Sonnenschirm mit Ständer, der halt bissl grau geworden war. Ich fühlte mich in meinen Überlegungen voll bestätigt. Die Leuts haben einfach alles und davon ZU VIEL!
Das Schlimme dabei ist, dass bei weitem selbst im Westen nicht alle alles haben. Es gibt da einen immer breiter werdenden Rand der Gesellschaft, der nicht teilhaben kann. Seit jeher geschieht Konsum auf Kosten anderer! Der ganze billige Kram muss ja auch billig produziert werden. Das geht nur mit billigen Arbeitskräften, billigen Rohstoffen und in aller Regel auf Kosten der Umwelt. Was für krasse Auswirkungen das haben kann, sieht man bspw. in Papua-Neuguinea.
Aber das … könnt ihr entweder selbst herausfinden. Oder auf einen Eintrag dazu warten.
Die Fastenzeit ist zwar schon vorbei. Wer will, kann sich mit mir auf ein Konsum-Fasten einlassen. Sagen wir, für 14 Tage?
Bis dahin. Gods Blessing.